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Geschichte
Solitude wurde zur Zeit des Absolutismus im spätbarocken Stil von Herzog Carl Eugen 1763/64 als Jagdschloss, Sommerresidenz und Rückzugsort erbaut. Zugleich markierte das hochgestellte, auf einer Lichtung am Waldrand gelegene Gebäude die damit neu gezogene Grenze zwischen politischen Geschäften und Zivilisation auf der einen, Natur und Wildnis auf der anderen Seite. Diese Spannung zwischen Repräsentation und Abgeschiedenheit kann als Metapher für die Kunst und die Künstler von heute gelten, die sich, wie Carl Eugen vor 250 Jahren, zurückziehen wollen, ohne damit aus dem Blick der Öffentlichkeit zu verschwinden.

Mit dem Bau von Solitude hatte Herzog Carl Eugen einen Ort geschaffen, der seither in den unterschiedlichsten Varianten der Nutzung immer ein Ort mit einer besonderen Anziehungskraft und Ausstrahlung geblieben ist. An die auf Solitude gegründete Hohe Carlsschule, mit der die Akademie Schloss Solitude -trotz aller Unterschiede- immer wieder verglichen wird, kann hier erinnert werden, oder an Schillers Vater, der mit seiner 1775 gegründeten Baumschule ein Glaubensbekenntnis an die Zukunft ablegte. In nunmehr 250 Jahren wurden die Nebengebäude des Schlosses Solitude zu allem Erdenklichen genutzt: in Kriegszeiten als Lazarett, in Friedenszeiten als Gastwirtschaft oder Gefängnis, als Ausgangspunkt der Landesvermessung, als Kurbetrieb, Hotel oder Treffpunkt der ersten Turnvereine, als Ziel von Automobilrennen, als Radio-Empfangsstation, als Lager für den Reichsarbeitsdienst, nach dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsblindenanstalt, zuletzt, in den sechziger und siebziger Jahren, als Studentenwohnheim. Die Akademie nimmt diese Geschichte wahr, sie weiß aber vor allem, dass die Kunst in ihrem Entstehungsprozess an der Qualität der Kunst gemessen wird, die in der Barockzeit auf Solitude entstanden ist: An Guibal und seinen Schülern, an La Guêpière, Noverre oder Jommelli. Betrachtet man das Barockambiente von Solitude als das allgemein Erkannte und Anerkannte der Kultur, so stellt die Kunst, wie die Akademie sie fördert und ermöglicht, das Unbekannte dar. Es stellt zwangsläufig das bisher Gewesene der Kultur in Frage. Aus dieser Spannung entstehen künstlerische Gegensätze, die sicher fruchtbar sein, aber nicht unbedingt den idyllischen Charakter der Solitude bestätigen können.