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Aykan Safoğlu und Georges Senga sind Teil der 21. Contemporary Art Biennial Sesc_Videobrasil
Georges Senga Assani, »Cette maison n’est pas à vendre et à vendre«
04. Oktober 2019

Wir freuen uns mit Aykan Safoğlu und Georges Senga, die gemeinsam mit 53 weiteren Künstler*innen als Teilnehmer der 21. Contemporary Art Biennial Sesc_Videobrasil mit dem Titel »Imagined Communities« ausgewählt wurden. Insgesamt bewarben sich 2280 Künstler*innen aus 105 Ländern. Die künstlerischen Arbeiten der beiden ehemaligen Stipendiaten der Akademie und der anderen Teilnehmer*innen sind vom 9. Oktober 2019 bis zum 2. Februar 2020 im Sesc 24 de Maio in São Paulo/Brasilien ausgestellt.

Am 12. Oktober 2019 werden außerdem sieben Preise von einer internationalen Jury, bestehend aus Alexia Tala, Gabi Ngcobo, Marta Mestre, Reem Fada und Rosângela Rennó, an ausgewählte Teilnehmer*innen vergeben. Wir drücken die Daumen!

Der diesjährige Titel der 21. Biennale Sesc_Videobrasil »Imagined Communities« ist Benedict Andersons Studie über den Aufstieg des Nationalismus von 1983 entliehen. Von Andersons Konzeption inspiriert, reflektiert die 21. Biennale Sesc_Videobrasil über verschiedene Formen sozialer und gemeinschaftlicher Organisationen, die über Nationalstaaten hinaus oder an ihren Randgebieten existieren. Es soll ein gemeinsamer Grund für alle Gemeinschaftsimaginationen geschaffen werden, gerade im Hinblick auf die Rolle, die Nationalismus als kritischer Leitgedanke in der heutigen Zeit spielt. 

Aykan Safoğlu mit Videoarbeit Off-White Tulips vertreten

Aykan Safoğlus Arbeiten schaffen Beziehungen – gar Freundschaften – zwischen kulturellen, geografischen, linguistischen und zeitlichen Grenzen. Seine Arbeit ist zwischen Film, Fotografie und Performance angesiedelt, wobei er offene Fragen der kulturellen Zugehörigkeit, Kreativität und Verwandtschaft stellt. Safoğlu erhielt seinen Masterabschluss in Fotografie an der Milton Avery Graduate School of the Arts am Bard College in New York und einen Masterabschluss im Rahmen des Masterprogramms Art in Context der Universität der Künste Berlin. Er stellte bereits in Schweden, Neuseeland, Deutschland, Libanon und den USA aus. 2018 war er Stipendiat der Akademie Schloss Solitude. Safoğlu lebt und arbeitet in Berlin.

Auf der 21st Contemporary Art Biennial Sesc_Videobrasil ist seine Videoarbeit Off-White Tulips von 2013 zu sehen. Off-White Tulips ist zusammengesetzt aus Archivbildern und Aufnahmen von Objekten, die Stück für Stück von der Kamera gezeichnet werden und dabei einen fiktiven Dialog zwischen dem Künstler und dem amerikanischen Autor James Baldwin kreieren, der in den 1960er und 70er Jahren in Istanbul lebte. Safoğlu verknüpft seine persönliche Geschichte mit der Baldwins, dessen Identität als schwuler schwarzer Autor den Filmemacher dazu bringt, die politischen Dimensionen von Rassismus und Toleranz zu erforschen und Verweise auf türkische und amerikanische Pop-Ikonen miteinzuflechten. Eine ungewöhnliche Autobiographie erzählt in der dritten Person. Off-White Tulips wurde im September 2018 an der Akademie Schloss Solitude vorgeführt.

Georges Senga mit der fotografischen Arbeit Cette maison n’est pas à vendre et à vendre vertreten

Georges Senga Assani arbeitet als Fotograf in Lubumbashi. Zum ersten Mal wurde er auf der Rencontres Picha Biennale de Lubumbashi von Marie-Françoise Plissart und Sammy Baloji entdeckt. Er nahm am Class Master Degree des Goethe-Institut Johannesburg in Südafrika, Lubumbashi (2012) und Lagos/Nigeria (2013) teil. Seine dritte und vierte Fotografieserie a life after death und Kadogos wurde 2014 auf der Kampala Art Biennale und 2013 auf der Rencontres Picha Biennale de Lubumbashi gezeigt. Zuvor, in 2009, wurde sein Projekt impressed auf der zweiten Lubumbashi Biennale mit Simon Njami vorgestellt. Für sein Fotoprojekt TRANSIT erhielt er 2014 das Forschungsstipendium PRO HELVELTIA. 2015 war er Stipendiat des WIELS Contemporary art centre, Forest/Belgien, sowie Teil des Projekts African Odyssey am BRASS.

Auf der 21st Contemporary Art Biennial Sesc_Videobrasil ist seine fotografische Arbeit Cette maison n’est pas à vendre et à vendre von 2016 zu sehen. Die Serie befasst sich mit zwei unterschiedlichen Situationen im Konflikt um urbanen Wohnraum. In Lubumbashi, gelegen in der Demokratischen Republik Kongo, entdeckte der Fotograf mehrere Häuser mit der Aufschrift Cette maison n’est pas à vendre [Dieses Haus steht nicht zum Verkauf], wahllos auf den Häuserfronten verteilt. Als Objekte familiärer Erbstreits fotografierte Georges Senga die Häuser von Innen und Außen und dokumentierte so die Erinnerungen und Überbleibsel der Bewohner*innen. In der Stadt Praia Grande (an der Küste São Paulos in Brasilien) dokumentierte der Fotograf im Kontrast dazu die Häuserfronten und Fassaden von Häusern, die tatsächlich zum Verkauf stehen – in einem Kontext des rapiden Städtewandels. In dieser zweiten Situation verschwinden die potentiellen Erinnerungen und die in den Gebäuden und ihren Wänden verborgenen Zuneigungen. Cette maison n’est pas à vendre et à vendre wurde im Januar 2017 an der Akademie Schloss Solitude ausgestellt.