de . en
Das
Stipendiaten
Netzwerk
 
art, science & business/workshop: Art, Science & Copyright
Donnerstag, 11. Dezember 2008, 20 Uhr und Freitag, 12. Dezember 2008, 10.15 bis 18 Uhr, Akademie Schloss Solitude

Das Stehlen geistigen Eigentums war bereits den Dichtern im Rom des ersten Jahrhunderts nach Christus bekannt. »Seelenverkäufer« - als solcher wurde Fidentinus von seinem Kollegen Martial beschrieben, dessen Gedichte er gestohlen und unter seinem Namen publiziert haben soll. Martial verglich die Veröffentlichung eines Gedichtes mit der Freilassung eines Sklaven und folglich die Aneignung durch einen anderen als Menschenraub. Durch die unrechtmäßige Verwendung und Verletzung des Urheberrechts stempelte er Fidentinus als »plagiarius« ab. Heutzutage hat sich die Form des Plagiats weiterentwickelt im allgegenwärtigen »googeln« und »wikipedien« als Wissensbeschaffung und anschließendem »Cut + Paste«-Verfahren. Zu verlockend ist das Angebot im digitalen Zeitalter und zu einfach ist das Verfahren, als dass sich jemand davon frei machen könnte.

Doch wie gehen Künstler mit der freizügigen Verwendung ihrer eigenen Werke und den Werken anderer Künstler um? Wie beurteilen Wissenschaftler das nicht gekennzeichnete Zitat, wenn sie nicht die Ansicht des US-Drehbuchautors Wilson Mizner (1876-1933) teilen: »Von einem Autor abzuschreiben ist Plagiat, von zweien abzuschreiben ist Forschung.« Und wie gehen Wirtschaftsunternehmen in globalen Rechtsstreitfällen gegen das allzu offensichtliche Kopieren ihrer Produkte vor? Die Grenze zwischen Plagiat und Zitat scheint auf den ersten Blick klar zu ziehen und das Recht auf der Seite des Urhebers zu sein - doch verweisen unterschiedliche Rechtsformen und -verständnisse (droit d\'auteur, Copyright) gerade im internationalen Kontext eher auf eine Unendlichkeit der Deutungs- und Rechtsprechungsmöglichkeiten. Quo vadis? Gilt es, die nationale Gesetzsprechung mit einer Urheberrechtsnovelle auszubauen, einen internationalen Kompromiss zu finden? Oder versprechen neue Angebote wie das Sharing-Concept vom Lizenzsystem Creative Commons die dringend benötigte Lösung?

Der Workshop »Art, Science & Copyright« geht diesen Fragen nach und lässt Theoretiker wie Praktiker zu Wort kommen. In den einzelnen Sektionen am Freitag besteht nach einem einführenden Vortrag ausreichend Zeit zu gemeinsamer Diskussion und zum Erfahrungsaustausch. Die gemeinsame Sprache ist Englisch.

Der Workshop wird am Donnerstag um 20 Uhr eingeleitet durch einen Abendvortrag in deutscher Sprache zum Thema »Geht es im Urheberrecht um Kreativität? Bemerkungen aus historischer und rechtsphilosophischer Sicht« von Alexander Peukert, Wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht, München.

Die Veranstaltung wurde initiiert von Philippe Perreaux. Der Jurist und Spezialist für Copyright-Fragen war 2007 Stipendiat im Programm art, science & business der Akademie Schloss Solitude.

Eintritt frei. Um Anmeldung wird gebeten bei Julia Warmers, jw@akademie-solitude.de, T. 0711-99619-135.

Das Programm art, science & business wird durch die finanzielle Unterstützung der Landesstiftung Baden-Württemberg, der Landeshauptstadt Stuttgart sowie der LBBW Stiftung für Kunst und Kultur ermöglicht.

Über die Ankündigung dieser Veranstaltung und/oder über einen Bericht in Form einer Rezension würden wir uns freuen.

24. November 2008
Angela Butterstein / Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0711.99619.471, presse@akademie-solitude.de
zugehöriges dokument