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Jahrbuch 8: »Was machen sie dort am Schloss?«
JAHRBUCH 8 DER AKADEMIE SCHLOSS SOLITUDE
»WAS MACHEN SIE DORT AM SCHLOSS?«

Ob in London, Berlin, New York, Mailand oder Johannesburg: Welche Kulturinstitution würde heutzutage von sich nicht behaupten wollen, sie sei international bestens vernetzt, arbeite interdisziplinär und entdecke vor allen anderen die Themen wie auch die Künstlerinnen und Künstler von morgen. Anfang der neunziger Jahre stand Solitude ziemlich allein mit dieser Zielsetzung, die inzwischen fast zur Banalität geworden ist. Ja, die Akademie Schloss Solitude hat in sechzehn Jahren ein weltweites einzigartiges Künstlernetzwerk aufgebaut, sie bekennt sich zur Internationalität und sieht früher als andere die Themen von morgen. Mit ihrem neuen Jahrbuch gibt die Akademie klar zu verstehen, dass sie an dieser Zielsetzung, die in all den Jahren nichts an Aktualität eingebüßt hat, festhält und sie auch – vielleicht besser als andere – in ihrem Alltag aus den letzten 24 Monaten gelebt und verwirklicht hat. Es waren tatsächlich zwei ereignisreiche Jahre, mit 135 Stipendiatinnen und Stipendiaten, mehr als 300 Gästen, die das Team der Akademie betreut hat, beinahe 150 öffentlichen Veranstaltungen, 24 Publikationen und tausenden von Besuchern! Das Solitude-Programm fand natürlich nicht nur in den eigenen Räumen oder in Stuttgart statt, sondern unter anderem auch in Berlin, Budapest, Buenos Aires, Bukarest, Johannesburg, Lille und Warschau. Mit Bildern, Berichten, Briefen und Tabellen, mit einer ausführlichen Chronologie aller kleinen und großen, privaten und öffentlichen Ereignisse gewährt dieses Jahrbuch erneut eine zugleich präzise und vielfältige Einsicht in den abwechslungsreichen Alltag der Akademie. »The hidden happiness of Solitude« nannte eine Stipendiatin diese nicht immer sichtbare Seite des Lebens auf dem Solitude-Hügel.

Aber dieses Jahrbuch ist auch viel mehr als nur eine Chronik, denn schließlich hat darin nicht die Institution das Wort, sondern die Beteiligten selbst. So hält der vorliegende Band zahlreiche literarische Texte, Kunstbeiträge, philosophische Essays, politische und kulturpolitische Analysen sowie wissenschaftliche Texte für den Leser bereit, die von dem intensiven Gedankenaustausch an der Akademie Schloss Solitude zeugen. Das Jahrbuch 8 ist nicht nur für die Beteiligten selbst von Interesse, sondern auch für all diejenigen, die gerne wissen möchten, wie die junge internationale Szene in Kunst, Philosophie und Literatur denkt und was sie heute bewegt. Im Zeitalter der Globalisierung tut sie dies meist in englischer Sprache, die auch fast die Hälfte vom Inhalt dieses Buches ausmacht.

In diesem Jahrbuch wird wieder einmal deutlich, dass die Aufgabe der Akademie nicht primär darin besteht, Veranstaltungen zu produzieren. Aus kulturpolitischer Sicht baut die Akademie seit ihrer Gründung ein weltweites Netzwerk von jungen Künstlern auf, seit vier Jahren unter Beteiligung von Wissenschaftlern und jungen Menschen aus der Wirtschaft, die unter sich und mit der Institution, das heißt auch mit dieser Region, eng verbunden bleiben. Unter den besonderen Lebensbedingungen von Solitude haben die Stipendiatinnen und Stipendiaten auch die Möglichkeit, sich einige Jahre nach Beendigung ihres Studiums als Künstler von neuem zu erfinden. Um dies zu beherrschen, brauchen sie aber eine Zeit besonderer Qualität, wie jene eines Stipendiums auf Solitude. Davon erzählt in 280 Seiten mit zahlreichen Illustrationen dieses Jahrbuch 8, womit wir die Öffentlichkeit ein weiteres Mal von der Notwendigkeit und der Qualität der Arbeit der Akademie Schloss Solitude überzeugen möchten.

Jean-Baptiste Joly, im Mai 2006
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