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Pressemitteilung: Symposium »Paradoxien des Fortschritts«
Globale Durchlässigkeiten avantgardistischer Ideen und Praktiken
Paradoxien des Fortschritts; © Stegmeyer Fischer Creative Studio
28. Februar 2020

Symposium »Paradoxien des Fortschritts – Globale Durchlässigkeiten avantgardistischer Ideen und Praktiken«
Mit Keynotes, Gesprächen, Lesungen, Klangperformances, Filmscreenings sowie einem performativen Workshop und einer Volksbar

5. bis 7. März 2020, Akademie Schloss Solitude

Das Symposium »Paradoxien des Fortschritts« wurde von einer Gruppe von Nachwuchswissen-schaftler*innen in Zusammenarbeit mit der Akademie Schloss Solitude entwickelt. Ein besonderer Fokus der Veranstaltung liegt auf der Frage, ob Kunst die Gesellschaft fortschrittlich verändern kann. Bezeichnend für die Vorgehensweise der Akademie Schloss Solitude ist, dass für »Paradoxien des Fortschritts«, gemeinsam mit den teilnehmenden Stipendiat*innen, Klangperformances, Installationen, Filmscreenings, kollektive Lesungen und Gespräche erarbeitet wurden, die in herausragender Weise wissenschaftliche Forschung mit zeitgenössischer künstlerischer Praxis verbinden. 

Avantgarden gelten als Bewegungen, die darauf abzielen, eine umfassende Transformation im künstlerischen, ökonomischen wie politischen Terrain herzustellen. Sie stehen in all ihren Ausprägungen für eine meist radikale Abkehr von der Vergangenheit und ihren Normierungen. Ihr Blick gilt dem Fortschritt und der Neuaushandlung dessen, was eine emanzipierte wie zeitgemäße Kunst und Gesellschaft ausmachen und darstellen soll. Aber welche Stimmen initiieren und führen diesen Fortschrittsgedanken an? Wer soll von dieser Botschaft angesprochen werden? Und wie sind die oftmals in elitären Zirkeln erdachten Zukunftsszenarien überhaupt greifbar, transparent und verstehbar?

Mithilfe des Begriffs der Durchlässigkeit wird der Versuch unternommen, die inhärenten Paradoxien des Fortschrittgedankens auf den Prüfstand zu stellen: Wie offen zeigen sich Institutionen und Ansätze des Fortschrittdenkens? Wie werden Grenzen, wie die zwischen Kunst und Leben, neu vermittelt? Welche Medien kommen hierbei zum Einsatz und für welche Gruppen sind diese zugänglich? Lassen sich Trennungen zwischen sozialen Kategorien wie Klasse, ethnischen Gruppierungen und Gender reflektieren oder gar auflösen?

Besondere Momente des Symposiums sind unter anderem die Keynote »Negritude as temporal, political and cultural Avant-Garde in the French colonies of West-Africa« von Amadou Oury Ba, Dozent der Germanistik an der Universität Cheickh Anta Diop in Dakar. In seinem Vortrag am Freitag, den 6. März um 20 Uhr wird er näher auf diese literarisch-politische Strömung  eingehen, die für eine kulturelle Selbstbehauptung Afrikas eintritt. Die Künstlerin Chiara Bugatti lädt am Samstag, den 7. März um 15.45 Uhr zu ihrer Performance »Brute Force« in Kooperation mit Matteo Miccini und Alessandro Giaquinto vom Stuttgarter Ballett ein. Im Vordergrund steht die Frage, was passiert, wenn ein Tänzer und ein Objekt komprimierter Kieselgur miteinander interagieren. Des Weiteren finden Lesungen auf Arabisch und

Englisch von Omar al Jaffal, Farah Barqawi und Boyzie Cekwana statt. Die Kuratorin und unabhängige

Forscherin Léa Morin präsentiert den Film »Soleil O« (1973, Regisseur: Med Hondo). Ein experimentelles Meisterwerk mit Fokus auf Kolonialismus und die weiterhin fortbestehende Anklage westlich kapitalistischer Werte. In dem Workshop »Telepathy Works« am Samstag, den 7. März um 11 Uhr kann erprobt werden, wie mittels verschiedener Arten der mentalen Bildgebung die Fähigkeit zuzuhören und uns selbst und anderen gegenüber aufmerksam zu werden, angeleitet von der Performancekünstlerin und Pädagogin Maayan Danoch.

Mit Beiträgen von: Omar al-Jaffal, Schriftsteller und Journalist, Bagdad/Irak; Amadou Oury Bâ, Head of the Department for German Cultural Studies an der University of Cheikh Anta Diop Dakar, Dakar/Senegal; Farah Barqawi, Schriftstellerin, Künstlerin und feministische Aktivistin, Ägypten/Palästina; Günter Berghaus, Wissenschaftler, Autor und Senior Research Fellow an der University of Bristol, Bristol/ Großbritannien; Sascha Bru, Head of the Department of Theory and Cultural Studies an der Universität Leuven, Leuven/Belgien; Chiara Bugatti, Bildende Künstlerin, Stockholm/Schweden; Boyzie Cekwana, Performancekünstler, Soweto/South Africa; Hadja Saran Condé, Grafikdesignerin, Conakry/Guinea; Maayan Danoch, Choreografin, Tänzerin und Lehrerin, Deutschland/Israel; Ralf Michael Fischer, Privatdozent für Kunstgeschichte an der Universität Trier und der Universität Tübingen; Andrée Gerland, Wissenschaftler und Germanist an der Universität Tübingen; Goutam Ghosh, Bildender Künstler, Nabadwip/Indien; Alessandro Giaquinto, Tänzer und Choreograf am Stuttgarter Ballett, Stuttgart/ Deutschland; Gerd Hurm, Professor der Amerikanischen Literaturtheorie an der Universität Trier, Trier/Deutschland; Dorothee Kimmich, Professorin für Literaturwissenschaftliche Kulturwissenschaft und Kulturtheorie an der Universität Tübingen; Franziska Koch, Wissenschaftlerin im Bereich Global Art History an der Universität Heidelberg, Heidelberg/Deutschland; Peter W. Marx, Professor der Theater- und Medienwissenschaft an der Universität Köln, Köln/Deutschland; Manuel Mathieu, Bildender Künstler, Haiti/Kanada; Matteo Miccini, Tänzer am Stuttgarter Ballett, Stuttgart; Léa Morin, Kuratorin und freie Wissenschaftlerin, Casablanca/Marokko; Sarvenaz Mostofey, Klangkünstlerin und Komponistin, Tehran/Iran; Larissa Maria Müller, Wissenschaftlerin der Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft, Germanistik und Romanistik an der Universität Tübingen; Roberto Robalinho, Doktor der Kommunikations-wissenschaften an der Universidade Federal Fluminense, Rio de Janeiro/Brasilien; Thea Santangelo, Wissenschaftlerin der Romanistik an der Freien Universität Berlin, Berlin/Deutschland; Tania Tipermann, Wissenschaftlerin der Kunstgeschichte an der Universität Tübingen; Voin de Voin, Künstler und Performer, Sofia/Bulgarien.

Eine Veranstaltung der Akademie Schloss Solitude im Rahmen des Programms art, science & business in Kooperation mit der Eberhard Karls Universität Tübingen. Gefördert durch Mittel der Exzellenzstrategie der Universität Tübingen.

In englischer und arabischer Sprache. Eintritt frei.

Tagespauschale für Verpflegung inkl. Mittagessen, Abendessen, Kaffee und Getränke: 20 Euro/10 Euro für Studierende.

Anmeldung bis zum 1. März 2020 per E-Mail an Lisa Hövelborn,
l.hoevelborn@akademie-solitude.de, Tel. + 49 (0)711 99619 482


PROGRAMM


Donnerstag, 5. März 2020

18 Uhr | Begrüßung & Einführung

19 Uhr | »Globalising the 20th and 21st-Century Avant-Gardes: Two Readings«
Keynote von Sascha Bru

20 Uhr | Abendessen

21 Uhr | Klangperformance von Sarvenaz Mostofey


Freitag, 6. März 2020

10 Uhr | »Multiplicities of Thinking and Practice in Asian Context«
Franziska Koch, Goutam Ghosh

11 Uhr | Kaffeepause

11.30 Uhr | »Frontiers of Visual Culture«
Ralf Michael Fischer, Manuel Mathieu

13 Uhr | Mittagessen

14 Uhr | »Patterns of the Permeable«
Gerd Hurm, Hadja Saran Condé

15 Uhr | Kaffeepause

15.30 Uhr | »Performative Aspects of Avant-Gardes«
Roberto Robalinho, Tania Tipermann, Peter W. Marx

17 Uhr | Kaffeepause

17.30 Uhr | Performances and Interventions
Voin de Voin, Sarvenaz Mostofey

19 Uhr | Abendessen

20 Uhr | »Negritude as temporal, political and cultural Avant-Garde in the French colonies of West-Africa«
Keynote von Amadou Oury Bâ

21 Uhr | Screening des Films »SOLEIL Ô«, kuratiert von Léa Morin


Samstag, 7. März 2020

11 Uhr | »Telepathy Works – Workshop on Collective Consciousness and Movement«
mit Maayan Danoch

13 Uhr | Mittagessen

14 Uhr | »Permeabilities in Futurisms«
Günter Berghaus, Larissa Maria Müller, Thea Santangelo

15.30 Uhr | Kaffeepause

15.45 Uhr | Performance von Chiara Bugatti mit anschließendem Gespräch über das Projekt »Brute Force«. Aufgeführt von Matteo Miccini und choreografiert von Alessandro Giaquinto. In Kooperation mit dem Stuttgarter Ballett.
Mit freundlicher Unterstützung der Kremer Pigmente GmbH & Co. KG

16.30 Uhr | Kaffeepause

17 Uhr | Lesungen kommentiert von Dorothee Kimmich mit Omar al-Jaffal, Farah Barqawi und Boyzie Cekwana

17.45 Uhr | Kaffeepause

18 Uhr | »Elitist Circles versus Avant-Garde Educational Ideas«
Karin Amos, Andrée Gerland und Sebastian Thies

19 Uhr | Closing Round Table

20 Uhr | Abendessen

22 Uhr | Eröffnung der Volksbar mit der matriarchalen Volksküche und DJ-Set von Kristina Arlekinova