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Das Drama
1996
Literatur
Deutsch
68 Seiten
14 EUR
3-929085-33-X
Theaterstück. Fadengeheftet.
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Jähe Machtwechsel waren schon immer Auslöser von Lebens- und Sinnkrisen. Igor Kroitzsch hat einen vor Phantasie, Lebensnähe und absurder Komik sprühenden Text geschrieben, der den Irrwitz einer Situation zeigt, die uns heute nicht fremd ist. Der Text beginnt, ganz historisch, mit der Abberufung Hamlets durch Shakespeare, dem Tod Hamlets und der »Seinen«, also mit einem Drama. Er kulminiert, ganz gegenwärtig, in der Anpassung der Kleinbürger an die durch Fortimbras Machtübernahme verkörperten neuen Verhältnisse – ein weiteres Drama. Er endet in enttäuschter Rückschau:

»ALTER MANN Warum passiert denn nichts, wo doch schon soviel passiert ist. Schläft ein.

ALTE FRAU in die Stille Wir haben so gelebt.«

»Das Drama« ist als ein Kaleidoskop von Einzelbildern angelegt. Die Szenen werden freilich immer dann abgebrochen, wenn sie sich zu verselbständigen beginnen. Die temporeiche Handlung wird vorangetrieben und zusammengehalten von »spielerischen« Versuchen der Bürger, die Freiräume des Übergangs zu nutzen und Vorstellungen von einem besseren Leben umzusetzen. Doch sie lernen schnell, dass Unmoral und Stärke die besseren Argumente sind. So beschreibt das Stück Verhältnisse und Ereignisse, die weder wahr noch falsch sind, sondern vor allem eines: wirksam.

Igor Kroitzsch ist ein großes, noch unentdecktes Talent. Keines seiner Stücke wurde bislang auf die Bühne gebracht. Nun können die Leser überprüfen, wie der Text sich »durch seine Seltsamkeit, Härte, Bizarrerie und nicht selten große Gedanken, die auch mehr wie einmal kräftig ausgedrückt sind, sehr von dem gewöhnlichen Trott unserer Theaterstücke unterscheidet« – um Ludwig Tiecks Urteil über Grabbes »Herzog Theodor von Gothland« zu zitieren.

Für »Das Drama« wurde Igor Kroitzsch 1994 mit dem Christian-Dietrich-Grabbe-Preis ausgezeichnet.

»DAS DRAMA erscheint mir >grabbisch< in dem Sinn, daß es die Welt als theatrum bestiarium ansieht und Theater als Modell von Welt.«

Martin Linzer (aus der Laudatio)