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Leningrader Geschichten
1994
Literatur
Deutsch
14 Seiten
14 EUR
3-929085-12-7

Prosa/Literatur. Aus dem Russischen von Katja Lebedewa und Hans Lehnert. Fadengeheftet.
ISBN-13: 978-3-929085-12-9

Leider bereits vergriffen!

Die Leningrader Geschichten von Oleg Jurjew sind nicht nur ein Buch über Bäume, Insekten, Frauen und den Mond, sondern natürlich auch über die Sprache. Der Autor schreibt gegen erstarrte Sprachformen an, er zerstört mit Wortspielen, dem Spiel mit unverbrauchten Worten und ungewohnten Wortverbindungen stereotype Bilder: «Doch war sie keine Fledermaus, sondern einfach eine flatternde Maus. `Ein schönes Thema für einen Novelle`, dachte Zizja».

Oleg Jurjew schreibt in einer Sprache, die eine akribische Lektüre verlangt. Jedes Wort wird in seiner massiven Präsenz zum Stolperstein für den ungeduldigen, die Eindeutigkeit suchenden Leser. Die Geschichten lehren den Leser klischeefrei zu denken - nur so kann er an den surrealen Bildwelten teilhaben, die nicht von Worten dominiert, sondern von Worten generiert werden.

Zizja ist Schriftsteller und Jude. Der Schrecken der Judenpogrome, der un(be)schreibbare Schrecken ist ein weiteres Thema der Geschichten: «Wie schrecklich!, dachte Zizja. Ein ausgezeichnetes Thema für eine Novelle».

Jurjew führt die Macht der Sprache vor: das Wort als wichtiges Instrument jeder Schreckensherrschaft, und das Wort, das Leben retten kann. Jurjew wendet die denotative Macht der Worte der Propaganda in seinen Geschichten in eine konnotative. Durch Anspielungen, Réécrituren, literarische, historische und soziale Referenzen entsteht ein zweiter Text, der von der geschriebenen Geschichte und von geschriebenen Geschichten handelt.