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Mundmaßung
1995
Literatur
Deutsch
64 Seiten
14 EUR
3-929085-21-6

Gedichte. Mit Zeichnungen des Autors. Fadengeheftet.
ISBN-13: 978-3-929085-21-1

Leider bereits vergriffen!

Die Entdeckung eines Dichters: das Wort als Durchguck

Manos Tsangaris ist ein Autor, der das Wort in seiner physiognomischen Gestalt betrachtet und hin- und herwendet: als Ding mit Buchstaben, Silben und Lauten, Höhen und Tiefen, mit einer individuellen Färbung, die es durch Betonung, Verschlucken, Dehnen, durch das Wort davor und danach erhält. Das lyrische Ich des Manos Tsangaris ist ein Sprach-Ich. Seine Merkmale sind Lust am Spiel, Neugierde auf Experimente, Ruhe fürs Erkennen.

Die Gedichte, die in den letzten Jahren entstanden sind, haben keine einheitlichen Form, Es finden sich darunter Denkbilder, Aphorismen, Naturbeschreibungen, Kurzgedichte, die an Haikus erinnern. Bei diesen «poetisch verwilderten Reflexionen» (Sybille Cramer), denen jede Routine abgeht, widerfährt dem Leser Überraschendes: er sieht und hört plötzlich neu. Denn der Autor klopft an jedes Wort, an jeden Buchstaben, verändert sie um eine entscheidende Nuance, macht ihren Sinn kenntlich.

Wie eine Poetik liest sich der Anfang eines kurzen Textes des Autors mit dem Titel Entknotung: «Da halten wir ein Ding in der Hand, kompakt, Rätsel aus Schnur, und fest, weil es etwas halten muss. Indem wir sein Bau-und-Schlingprinzip zu erkennen suchen, forscht das Hand gewordene Auge (Hand, Finger, Fingerspitzen gegeneinander bewegt) nach dem einzig richtigen Anfang, jener Stelle, an der zuerst gezogen werden muss – eine kleine, gezielte Gewalt angewendet – damit das ganze geknotete Ding seine Innenspannung freilässt und wie ein leichtes auseinander geht zur einzigen, unbeschriebenen Schnur».
Die Zeichnungen, die in dem Band enthalten sind, stellen sich den Texten gleichberechtigt zur Seite.

***

Manos Tsangaris

1956 in Düsseldorf geboren. Er studierte an der Musikhochschule Köln Komposition und Neues Musiktheater (bei Mauricio Kagel) und Schlagzeug. Aufführungen seiner Stücke und komponierten Ereignisse seit 1979. Neben seiner Musiktheaterstücke stellt er immer wieder Ausstellungen und statische Musiktheater.

Seit 1985 realisiert er (Live-)Hörspiele. 1986 erschien sein erster Gedichtband, weitere Veröffentlichungen im Thürmchen Verlag und in der Edition Fundamental, Köln, folgten.
Tsangaris erhielt für sein vielgestaltiges Werk Auszeichnungen und Stipendien, 1994 Stipendium der Akademie Schloss Solitude.

Er lebt und arbeitet als Komponist und Schlagzeuger – und als Dichter und Zeichner – in Köln.