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Förderung – Voraussetzungen, Leistungen, Auswahlverfahren

Der Name Akademie Schloss Solitude verbindet die Idee eines Refugiums mit dem Gedanken künstlerischen und wissenschaftlichen Austauschs. Ein Aufenthalt an der Akademie Schloss Solitude ermöglicht den Stipendiat*innen, sich unter materiell und intellektuell guten Bedingungen ihren Arbeitsvorhaben zu widmen. Die zur Verfügung stehenden Ressourcen können bedürfnisorientiert eingesetzt werden. Für das Selbstverständnis der Akademie ist es zentral, dass Stipendiat*innen aller Bereiche ohne Alltags- und Präsentationszwang künstlerisch arbeiten und forschen können. Gleichermaßen bietet die Akademie aber Möglichkeiten, Projekte nach außen zu kommunizieren und öffentlichkeitswirksam zu fördern. Neben zahlreichen Veranstaltungen ermöglicht die flexibel angelegte Online-Plattform Schlosspost internationale Sichtbarkeit der Stipendiat*innen und ihrer Themen und gibt Raum für neue digitale Projekte.

Ein Aufenthalt an der Akademie Schloss Solitude ist eine Investition in die Zukunft, denn mitunter werden die Ergebnisse sowohl für die Stipendiat*innen als auch für die Akademie erst zu einem späteren Zeitpunkt sichtbar.


Stipendium: Voraussetzungen

Stipendien werden an Personen vergeben, die nicht älter als 40 Jahre sind. An einer Hochschule eingeschriebene Studierende können nicht in die Auswahl mit einbezogen werden. Doktoranden sind zur Bewerbung zugelassen. Einige Stipendien werden in einer Sonderregelung ohne Altersbegrenzung vergeben. Im Rahmen eines Stipendiums besteht die Möglichkeit, ein Projekt zu realisieren. Alle 24 Monate werden 50 bis 65 Stipendiat*innen ausgesucht. Für sie stehen 45 Studios und drei Gästestudios zur Verfügung. 

Gruppenbewerbungen sind prinzipiell zulässig. Jedes Gruppenmitglied hat jedoch unter dem eigenen Namen ein eigenes Bewerbungsformular auszufüllen. Die Unterlagen sind gemeinsam einzureichen.

Doppelbewerbungen bei der Kunststiftung Baden-Württemberg gGmbH und der Akademie Schloss Solitude sind nicht zulässig.

Bewerber*innen, die bei einem Auswahlverfahren nicht angenommen wurden, können sich erneut maximal bei zwei weiteren Ausschreibungen bewerben. Ehemalige Stipendiat*innen der Akademie Schloss Solitude sind vom Bewerbungsverfahren ausgeschlossen.

Sprachkenntnisse in Deutsch und/oder Englisch werden vorausgesetzt.

Für ein Stipendium können sich Künstler*innen und Wissenschaftler*innen aus den Praxisfeldern VISUELL (Visuelle Kunst & Medien), AUDITIV & PHYSISCH (Musik & Darstellende Kunst), DIGITAL (Digitale Kunst, Gaming, Digitaler Journalismus, Digitales Publishing), RÄUMLICH (Architektur & Design), TEXTUELL (Literatur und Sprache), GESELLSCHAFTLICH/GEMEINSCHAFTLICH (Erziehung, Vermittlung, Theorie) und WISSENSCHAFTLICH/art, science & business (Geistes-, Sozial-, Natur-, & Wirtschaftswissenschaften) bewerben.

Außerdem erweitert die Akademie Schloss Solitude erstmals in ihrer 30-jährigen Geschichte mit der Bewerbungsrunde 2019 ihr Profil um einen thematischen Fokus und richtet ab 2020 gemeinsam mit der KfW Stiftung ein neues Programm mit einem inhaltlichen Schwerpunkt ein, mit dem sich eine Gruppe von sieben Stipendiat*innen über einen Zeitraum von neun Monaten gemeinsam beschäftigen wird. Die Akademie möchte mit dem thematischen Fokus den Stellenwert des transdisziplinären und diskursiv-künstlerischen Arbeitens in der Gesellschaft stärken und hierfür inhaltliche Impulse geben.


Praxisfelder im Detail

1 VISUELL – Visuelle Kunst & Medien
Dazu gehören Malerei, Skulptur, Plastik, Zeichnung, Installation, Film, Video, Druck, Keramik, Textil, Performance

2 AUDITIV & PHYSISCH – Musik & Darstellende Kunst
Dazu gehören Musik, Musik-Interpretation & Komposition, Klanginstallation, Klangperformance, Tanz, Choreografie, Schauspiel, Theater, Musiktheater, Dramaturgie, Regie

3 DIGITAL – Digital Solitude
Dazu gehören digitale Kunst, Gaming, Hacking, Computing, Programmierung, webbasierte und webverbundene Videoproduktion und -installation, digitaler Journalismus, digitales Publishing

4 RÄUMLICH – Architektur & Design
Dazu gehören Architektur, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, angewandte Kunst, Design, Bühnenbild, Modedesign, Kostümdesign, Produktdesign, Möbeldesign

5 TEXTUELL – Literatur und Sprache
Dazu gehören deutschsprachige und internationale Literatur in allen geschriebenen Formen, wie dramatische Texte, Lyrik, Prosa, Essay sowie Übersetzung

6 GESELLSCHAFTLICH/GEMEINSCHAFTLICH – Erziehung, Vermittlung, Theorie
Dazu gehören Kunstkritik, kritische Theorie, kuratorische Praxis, Kunsterziehung, gesellschaftlich engagierte Kunst

7 WISSENSCHAFTLICH – art, science & business / Geistes-, Sozial-, Natur-, & Wirtschaftswissenschaften
Dazu gehören Philosophie, Anthropologie, Biologie, Botanik, Physik, Mathematik, Computerwissenschaften, Cultural Studies, Ökologie, Gender Studies, Geschichte, Jura, Public Policy, Medizin, Politikwissenschaft & politische Theorie, Psychologie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft & Finance


THEMATISCHER FOKUS – Interdisziplinäre thematische Ausschreibung 2020–2021
MUTATIONEN

Mutationen sind Prozesse mit unvorhersehbaren Folgen: Transformation, Kontrollverlust und Irreversibilität, aber auch Vielfalt, Metamorphose und Hybridität. Es ist diese Unbestimmtheit und der assoziative Reichtum, der Mutationen unheimlich und attraktiv zugleich macht.

In der Biologie und Genetik beziehen sich Mutationen auf eine Veränderung der DNS, den elementaren Code des Lebens. Mutationen treten als Variation und Veränderung auf, als unvorhergesehene Transformation von Material oder Umgebung. Mutationen entstehen an der Schnittstelle genetischer Codes und manifestieren sich in einer Veränderung aller Aspekte des Lebens, in der physischen Beschaffenheit von Lebewesen. Sie beeinflussen unsere ökologische, soziale und politische Umwelt und wirken sich auf die Gestaltung kultureller Räume aus. Mutationen bergen ein enormes Potenzial für radikales Denken und Wandel. Sie widersprechen der bestehenden Ordnung, fordern Hierarchien heraus und läuten vielleicht den Aufbruch in ein neues Zeitalter ein.

Die ökologische Krise und soziale Ungleichheiten stellen alle Gesellschaften von heute vor große strukturelle Herausforderungen. Residenzprogramme dienen als Experimentalräume, in denen die Teilnehmer*innen mutierende Prozesse beobachten, analysieren und hinterfragen. Durch die Linse der Mutationen können wir diese Prozesse von Grund auf neu bewerten und neue Verbindungen knüpfen. Wie können wir in Zeiten eines tiefgreifenden gesellschaftspolitischen und ökologischen Wandels über Mutationen nachdenken? Wie können wir die Vielfalt und Vielfältigkeit, die den Mutationen innewohnt, entfesseln? Was bedeutet »Mutation« im Beziehungsgeflecht von künstlerischer, sozialer und planetarischer Arbeit? In diesem Sinne dient »Mutationen« als Thema, das sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch aus ineinandergreifenden Blickwinkeln untersucht werden kann. Die Gruppe der sieben ausgewählten Fellows wird das Thema über einen Zeitraum von neun Monaten gemeinsam bearbeiten. Durch monatlich stattfindende Labs gestalten sie das interne Programm der Akademie mit und beteiligen sich auch an öffentlichen Veranstaltungen. Während ihres gesamten Aufenthalts werden die Fellows von Mentor*innen begleitet.

»Mutationen« ist eine Kooperation der Akademie Schloss Solitude und der KfW Stiftung zur Förderung des transdisziplinären und transkulturellen Dialogs zwischen Kunst und Wissenschaft. Durch die Einladung von Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Kreativen aus allen Bereichen zu einem zielgerichteten Gruppengespräch innerhalb eines vorgegebenen thematischen Rahmens fördert das 9-monatige Programm die kritische Reflexion und künstlerische Produktion sowie den Austausch über Disziplinen hinweg.

Wer kann sich für den Thematischen Fokus bewerben?
Diese offene Ausschreibung richtet sich an Bewerber*innen aus allen oben genannten Praxisfeldern. Das Programm richtet sich an Young Professionals mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten, die ein ausgeprägtes Interesse an einem transdisziplinären Ansatz und eine starke Motivation für Gruppeninteraktion haben. Wir möchten insbesondere Künstler*innen mit nicht-westlichem Wissenshintergrund ermutigen, sich für das Stipendium zu bewerben. Es gelten die Bedingungen der Akademie Schloss Solitude.

Residenzprogramm:
Die Dauer des Aufenthaltes ist Oktober 2020 bis Juni 2021. Es wird erwartet, dass alle erfolgreichen Bewerber*innen den gesamten Zeitraum in Stuttgart verbringen, um an dem Programm teilzunehmen.

Die ersten sechs Monate des Stipendiums sind einem intensiven Dialog zwischen den Fellows gewidmet, in dem sie ihre Praxis gemeinsam weiterentwickeln und eine Plattform für den Wissensaustausch schaffen. Im Vordergrund dieser Phase steht der kollaborative Ansatz der künstlerischen Forschung. Die folgenden drei Monate sind dem Entwicklungsprozess eines öffentlichen Abschlussformates gewidmet, in dem die Stipendiat*innen ihre Praxis mit der Öffentlichkeit teilen (Symposium, Ausstellung oder andere Veranstaltung und Publikation).

Bewerbung
Bewerber*innen werden gebeten, sich ab dem 1. März 2019 auf der Bewerbungswebseite der Akademie zu registrieren und die Bewerbung online einzureichen. Dazu gehört ein Abstract (max. 250 Wörter), ein Portfolio mit Arbeitsproben und ein Konzeptpapier/eine Essay-Skizze zum Thema »Mutationen« (max. 1.000 Wörter).

Die KfW Stiftung (www.kfw-stiftung.de) ist eine unabhängige gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main, die sich mit den Herausforderungen der heutigen Gesellschaft auseinandersetzt. Mit dem Ziel, Bewusstsein zu schärfen, Menschen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und Vielfalt in der heutigen globalisierten Welt zu gestalten, hat die KfW Stiftung vier große Tätigkeitsfelder: Umwelt und Klima, Soziales Engagement, Verantwortungsvolles Unternehmertum sowie Kunst und Kultur. Das Programm Kunst und Kultur initiiert verschiedene Plattformen für internationale zeitgenössische Kunst mit dem Schwerpunkt außereuropäische und nicht-westliche Kunst. Sie initiiert und fördert Projekte wie Residenzprogramme für aufstrebende Künstler*innen und Kurator*innen oder Schreibwerkstätten für junge Autor*innen.


Stipendium: Leistungen

Das Solitude-Stipendium ist ein Anwesenheitsstipendium: Es wird vorausgesetzt, dass die Stipendiat*innen mindestens zwei Drittel ihrer Stipendienzeit an der Akademie verbringen. Alle eingeladenen Stipendiat*innen haben während ihres Aufenthaltes ihren festen Wohnsitz in Stuttgart (Meldepflicht).

Das Stipendium umfasst folgende Leistungen:

→ ein kostenfreies, möbliertes Wohn-/Arbeitsstudio inklusive Strom, Wasser und Heizung,
→ ein Stipendium in Höhe von 1.200,– Euro pro Monat,
→ einmalige Reisekosten für die An- und Abreise.

Außerdem bietet die Akademie freiwillige Zusatzleistungen, deren Höhe der jeweiligen Haushaltslage angepasst wird:

→ Transportkostenzuschuss für Material, Werkzeug, Instrumente und Bücher nach Stuttgart und
​     von Stuttgart zum Heimatort,
→ Projektförderung und Materialkostenzuschuss,
→ Übernahme der Krankenversicherungskosten bei ausländischen Gästen, die nicht aus EU-Ländern stammen.

Die Stipendiat*innen können in der hauseigenen Holz- und Metallwerkstatt unter Anleitung des*r Werkstattleiters*in arbeiten.

Weiterhin stehen ihnen ein Videoschnittplatz, ein Drucker-/Kopierraum, zwei Bibliotheken sowie einige Computerarbeitsplätze zur Verfügung.

Die Akademie verfügt über 45 Wohn-/Arbeitsstudios und drei Gästestudios. Bedingt durch die historischen Vorgaben der Gebäude, sind die Studios in Größe und Ausstattung in der Regel für eine Person ausgerichtet. Die Akademie versucht, die Unterbringung von Familien/ Lebenspartner*innen zu ermöglichen. Bei Familien/Lebenspartner*innen aus dem Ausland ist dies leider nicht immer möglich, da die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen zu berücksichtigen sind.


Stipendium: Auswahlverfahren

Die Entscheidung über die Vergabe der Stipendien wird von den zuständigen, unabhängigen Fachjuror*innen getroffen. Stipendien werden in der Regel für einen Zeitraum von sechs, neun oder zwölf Monaten vergeben.

In einem Turnus von 24 Monaten werden neue Juror*innen benannt.

Die international besetzte Jury ist Garant für das hohe künstlerische und wissenschaftliche Niveau der ausgewählten Stipendiat*innen.

Die Juror*innen wählen nach qualitativen Gesichtspunkten anhand von Arbeitsproben aus, die die Bewerber*innen einreichen.

Ein Rechtsanspruch auf die Vergabe eines Stipendiums besteht nicht. Die Entscheidung wird dem/der Bewerber*in schriftlich mitgeteilt, jedoch nicht begründet.
​Bei Antritt des Stipendiums erhält der/die Stipendiat*in einen Hausvertrag und die Hausordnung. Das Stipendium gilt nach Unterzeichnung des Hausvertrages durch den/die Stipendiat*in als rechtswirksam verliehen.


JURY 2019

KERNGRUPPE
Marie-Hélène Gutberlet, Kuratorin, Frankfurt/Deutschland
Fotini Lazaridou-Hatzigoga, Architektin und Designerin, Berlin/Deutschland
Neo Muyanga, Komponist und Musiker, Kapstadt/Südafrika
Alya Sebti, Kuratorin, Berlin/Deutschland

VISUELL
John Akomfrah, Künstler, London/Großbritannien
Marie-Hélène Gutberlet, Kuratorin, Frankfurt/Deutschland
Gabi Ngcobo, Kuratorin, Johannesburg/Südafrika                                              

AUDITIV & PHYSISCH
Discoteca Flaming Star (Cristina Gómez Barrio, Wolfgang Mayer), Performance Duo, Berlin & Stuttgart/Deutschland
Neo Muyanga, Komponist und Musiker, Kapstadt/Südafrika
Robyn Schulkowsky, Musikerin, Komponistin, Creative director, Berlin/Deutschland

DIGITAL – DIGITAL SOLITUDE
Maya Indira Ganesh, Kuratorin, Berlin/Deutschland
Rasheedah Phillips, Künstlerin und Rechtsanwältin, Philadelphia/USA  

RÄUMLICH
Fotini Lazaridou-Hatzigoga, Architektin und Designerin, Berlin/Deutschland
Anh-Linh Ngo, Herausgeber von ARCH+, Berlin/Deutschland 

TEXTUELL
Yvonne Adhiambo Owuor, Autorin, Nairobi/Kenia
Stefanie Stegmann, Direktorin Literaturhaus Stuttgart, Stuttgart/Deutschland                   

GESELLSCHAFTLICH/GEMEINSCHAFTLICH
Sepake Angiama, Education-Curator, London/Großbritannien                     
Syafiatudina Saja (Dina), Künstlerkollektiv Kunci, Yogyakarta/Indonesien

WISSENSCHAFTLICH – art, science & business
Michel Bauwens, Wirtschaftswissenschaftler, Brüssel/Belgien
​Nikita Dhawan, Philosophin, Berlin/Deutschland