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25. Februar 2020: Gespräch mit Kuratorin Berit Fischer
»Radical Empathy Lab« at Making Futures School 2019; Photo: Gary Hurst
25. Februar 2020 17:00
präsentation, gespräch

Die Akademie Schloss Solitude lädt Interessierte sehr herzlich zur Präsentation und anschließenden Gespräch mit der Kuratorin Berit Fischer aus Berlin ein. In ihrer aktuellen Arbeit hinterfragt sie die kuratorischen Möglichkeiten der Darstellung und Repräsentation, und sucht nach neuen Möglichkeiten Teilnehmer*innen zu aktiven Protagonist*innen in diesem Prozess werden zu lassen.

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Eintritt frei.


»Holistic and Micropolitical Making of Social Empathy; an Approach on Post-Representational Curation«

Durch das Experimentieren mit mikropolitischen und ganzheitlichen transdisziplinären Praktiken, in denen das Kognitive mit dem Nichtsemiotischen wechselseitig verflochten ist, überdenkt Berit Fischer in ihrer aktuellen Arbeit, was eine »ex-hibition« (Aus-stellung) sein kann. Wie können Ideen anders »ex-hibited« (aus-gestellt werden) oder vielmehr »in-habited« (be-wohnt, verinnerlicht und verkörpert) werden und jenseits kuratorischer Formen der Darstellung, Repräsentation und des Konsums insbesondere des Visuellen erfahrbar gemacht werden? Wie kann das Kuratorische zu einer selbstbestimmten ästhetischen und diskursiven Form der Praxis gelangen? Nicht nur die Rolle von Kurator*innen und das Paradigma, in dem sie arbeiten, soll in Frage gestellt werden, sondern auch eine Praxis, die ein zuschauendes Publikum auflöst und stattdessen dazu einlädt zu aktiven Protagonist*innen zu werden; eine Praxis, die danach strebt, die Handlungsfähigkeit (agency) und die Beteiligung der Protagonist*innen zu fördern.

Mit Hilfe des Radical Empathy Lab – einem laufenden Sozial- und Forschungslabor für relationale, alternative und ganzheitliche Wissensproduktion – schlägt Fischer das vor, was sie als »intra-« und »affective transformative curation« (intra- und affektive transformative Kuration) bezeichnet, die den, was die brasilianische Theoretikerin Suely Rolnik als »den wissenden Körper« definiert, miteinbezieht. Ein Kuratieren, das das Sinnliche und Erlebte betont und unsere Sinne für eine »aktive Mikropolitik« schärft. In ihrem kuratorischen Ansatz versucht Fischer eine »kritische Bewusstseinsbildung« (Paulo Freiere) zu erschaffen. Ein kritisches Bewusstsein für die Erforschung neuer Formen des Zusammenseins, die kurz erlauben zu reflektieren, wieder zu fühlen und eine reaktionäre An-ästhesie (griechisch: an-aesthēsis: ohne Empfindung) zu überwinden. Das Radical Empathy Lab untersucht die Beziehung zwischen Mikro- und Makro-Dimensionen des Handelns. Sie umfasst die Wiedergewinnung und das Wiedererlernen von subalternem Wissen, Praktiken von Wirkungszusammenhängen und der Selbstermächtigung (agency), die den (sozialen) kollektiven Körper und seine Beziehung zu dem vermeindlich »Anderem« dekolonisieren und de-subjektivieren.

Berit Fischer ist Kuratorin, Raumpraktikerin, Wissenschaftlerin und Schriftstellerin. Sie ist seit 1999 international tätig. Sie promovierte an der Winchester School of Art der University of Southampton/Großbritannien. Ihre kuratorischen Forschungsinteressen liegen auf kritischen Raumpraktiken, sozial und ganzheitlich produzierten Räumen, der Spezifizierung von Kunst als Produzent neuen Wissens, als Mittel zur Durchdringung des Status quo, der Schaffung von Handlungsfeldern und der Entwicklung von Räumen für kritische Auseinandersetzung, affektive Begegnung und relationales Lernen. Sie hat unter anderem Artikel in Afterall (London/Großbritannien), Onomatopee (Eindhoven/Niederlande) und be Magazin (Berlin/Deutschland) herausgegeben sowie die Publikationen New Spaces for Negotiating Art (and) Histories in Africa (zusammen mit Kerstin Pinther und Ugochukwu-Smooth C. Nzewi, 2015), Hlysnan: The Notion and Politics of Listening (2014) und Other Possible Worlds – Proposals on this Side of Utopia (2011). Darüber hinaus praktiziert Berit Fischer seit 1999 Yoga und erhielt 2013 ihr Yoga-Lehrzertifikat. Sie versteht Yoga als eine soziale und politische Praxis und sucht in ihrer Praxis und ihren Lehren nach Bewusstsein und Verbundenheit in und um uns herum.

Wo: Akademie Schloss Solitude, Guibal Saal
Solitude 3, 70197 Stuttgart
Wann: Dienstag, 25. Februar 2020 um 17 Uhr