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DRAWING PIECES: EINE BEGEGNUNG ZWISCHEN KUNST UND SCHACH
28. März 2014 14:00
schach
art, science & business

Ob in der Malerei, der Literatur oder im Film, die Geschichte der Kunst ist angefüllt von Auseinandersetzungen mit dem Schachspiel. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist die Performance Reunion aus dem Jahr 1968, in der der amerikanische Komponist John Cage zusammen mit seinem Schachlehrer Marcel Duchamp und dessen Frau Teeny Duchamp zwei Schachpartien durchspielte. Jeder Spielzug löste vier verschiedene Kompositionen aus, die über acht das Publikum umgebende Lautsprecher ertönten. In der Folge griff die Fluxus-Bewegung das interaktive Spiel zwischen Schach und Kunst auf, darunter beispielsweise die japanische Künstlerin Takako Saito mit ihrer Arbeit Spice Chess. Sie ersetzte die traditionellen Schachfiguren durch identisch geformte transparente Plastikfläschchen, die mit zwölf unterschiedlichen Gewürzen gefüllt waren. Um das Spiel zu eröffnen, mussten die Spieler sich mit den zwölf verschiedenen Gerüchen vertraut machen. Die ursprünglich konzeptuelle Ausrichtung wurde so in ein Spiel von sinnlichen Interaktionen transformiert.

Mit Drawing Pieces führt die Akademie Schloss Solitude die Interaktion zwischen Schach und Kunst weiter. An den Vortrag des zurzeit als Stipendiat anwesenden Großmeisters Li Chao über den Beruf des Schachspielers und schließt der Vortrag The Intersections and Connections between Art and Chess (Marcel Duchamp, Man Ray and Fluxus) der Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin Andrea Euringer-Bátorová an. Beide Künstler, Duchamp und Man Ray, waren Mitglieder im New York Chess Club. In ihren Arbeiten und Texten analysieren sie das Verhältnis von Kunst und Schach. Künstler der Fluxus-Bewegung wie George Maciunas or Takako Saito griffen ihre Arbeiten und Ideen über Dada und Surrealismus auf und schufen fantastische Schachspiele, die alle Sinne ansprechen.

Gezeigt wird außerdem das Projekt Surveillance Chess des Künstlerkollektivs !Mediengruppe Bitnik (Zürich/London). Mit einem Störsignal hackte !Mediengruppe Bitnik in London Überwachungskameras während der Olympischen Sommerspiele 2012. Dabei ersetzten sie Echtzeit-Überwachungsbilder mit der Einladung eine Partie Schach zu spielen. Die Monitore in den Kontrollräumen wurden zu Spielkonsolen, die Stadt zum Schachbrett.

Die Veranstaltung schließt mit der Performance und Diskussion des laufenden Kollektivprojekts chesSound zweier ehemaligeer Stipendiatinnen. Konzept und Komposition sind fasziniert von der Stille des Schachspiels. Zusammen mit der Großmeisterin Vera Nebolsina vertont die Komponistin Marianthi Papalexandri Alexandri Spielzüge. Hierbei werden die Schachfiguren durch unterschiedliche Materialien miteinander verbunden und ihre Bewegungen auf dem Schachbrett akustisch aufgezeichnet.

 

Programm:

14–14.15 Uhr: Begrüßung durch Sophie-Charlotte Thieroff, Referentin des Programms art, science & business

14.15–15 Uhr: Vortrag von Li Chao, Schachgroßmeister und aktuell Stipendiat im Programm art, science & business

15–15.15 Uhr: Präsentation/Screening des Projekts Surveillance Chess der !Mediengruppe Bitnik

15.15–15.30 Uhr: Kaffeepause

15.30–16.30 Uhr: The Intersections and Connections between Art and Chess (Marcel Duchamp, Man Ray and Fluxus), Vortrag von Andrea Euringer-Bátorová, Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin

16.45–18.00 Uhr: chesSound, Dialog und Performance von Marianthi Papalexandri–Alexandri, Komponistin und Vera Nebolsina, Schachgroßmeisterin

Vorträge und Performance werden auf Englisch abgehalten.

Eintritt frei!