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Performance-Reihe: Braveheart von Bernhard Dechant
30. September 2010 20:00
Theater
Beharrlich streikt der Projektor. Aus dem Stegreif stottert der Vorführer schließlich: »So ich fang jetzt an. Und der Film kommt dazu, wenn er kommt.«
Der tapfere Mann mutiert zum Kinoerzähler, berichtet, spielt nach und kommentiert, was zu sehen gewesen wäre. [...] Für nichts ist er sich zu schade, er malt pantomimisch die Highlands nach, mimt eine Schafherde, müht sich mit einem Dudelsack ab. Und entwächst vor den Zuschauern seinem bedrückenden Alltag zum imaginären Helden mit Kilt, Kriegsbemalung und kolossalem Bihänder.
Die Rolle ist Dechant auf den Leib geschrieben. Er spielt den Dilettanten, ist aber keiner. Er hat große Momente, wenn es um die Liebe geht und er die eigenen kleinen Niederlagen in der Wirklichkeit eingesteht. [...]
Um das Stück zu verstehen, muss man den Film nicht gesehen haben. Und danach möchte man es auch nicht mehr.

Dauer: 90 Minuten


Bernhard Dechant (*1976 in Wien), studierte von 1997 bis 2000 Psychologie und von 2000 bis 2003 Schauspiel am Franz-Schubert Seminar in Wien. Er arbeitet als Schauspieler und Regisseur und erhielt von 2004 bis 2008 ein Engagement am Theaterhaus Jena. Zu einer Auswahl seiner jüngsten Projekte gehört beispielsweise Mein bester Freund Klaus, Lesung von und mit Klaus Kinski (2008), Don Quichotte (2007) sowie Braveheart (2006). Derzeit arbeitet Dechant an einer Adaption von Wolfgang Borcherts Draußen vor der Tür. 2008 gewann er den Publikumspreis des 100°-Festivals in Berlin.