{"id":7686,"date":"2020-03-26T18:07:09","date_gmt":"2020-03-26T17:07:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/event\/16-mai-bis-30-juni-membrane-ausstellung-gebrochene-blickrichtungen\/"},"modified":"2020-08-12T09:48:18","modified_gmt":"2020-08-12T07:48:18","slug":"16-mai-bis-30-juni-membrane-ausstellung-gebrochene-blickrichtungen","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/event\/16-mai-bis-30-juni-membrane-ausstellung-gebrochene-blickrichtungen\/","title":{"rendered":"Membrane Ausstellung: \u00bbGebrochene Blickrichtungen\u00ab"},"content":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":8395,"template":"","categories":[15],"class_list":["post-7686","event","type-event","status-publish","hentry","category-ausstellung"],"acf":{"bgcolor":"","bgcolor_custom":"","custom_color_css_variable":"","content_type":null,"intro_preview_headline":"","intro_preview_txt":"","intro_preview_img":8395,"event_id_old":"3976","event_subtitle":"Er\u00f6ffnung am 16. Mai um 19 Uhr","event_date":"2019-05-17 00:00:00","event_date_end":"2019-06-30 00:00:00","event_location":[{"event_location_name":"Projektraum R\u00f6merstra\u00dfe 2A","event_location_link":""}],"event_programme":"","event_taxonomy_category":[15],"event_practice_field":false,"event_opening":"","event_opening_times":"","event_additional_info":"","event_txt_old":"Die Ausstellung der Akademie Schloss Solitude findet parallel zum <a href=\"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/veranstaltungen\/membrane-african-literatures-and-ideas~no3972\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/veranstaltungen\/membrane-african-literatures-and-ideas~no3972\/\">MEMBRANE Festival<\/a> statt und pr\u00e4sentiert f\u00fcnf k\u00fcnstlerische Positionen aus dem internationalen Netzwerk der Akademie. In unterschiedlichen Herangehensweisen und k\u00fcnstlerischen Formaten werden Versuche sichtbar, die Grenzen der Erkennbarkeit in Frage zu stellen.\n\nEine Membran ist in der Biologie ein lichtdurchl\u00e4ssiges Gewebe, das Zellstr\u00f6men erlaubt, in einen Organismus einzudringen. In der aktuellen Ausstellung stehen Membrane f\u00fcr die Durchl\u00e4ssigkeit von Wissen und Denken, f\u00fcr die Ver\u00e4nderung des Blickwinkels und die Neubewertung historischen Erbes \u2013 Durchl\u00e4ssigkeit wird hier verstanden als Voraussetzung f\u00fcr Wandel und f\u00fcr das Nachdenken \u00fcber Geschichte und Gegenwart, damit bestehende Weltanschauungen infrage gestellt und die Neuausrichtung und Neuformulierung von Wissenshierarchien m\u00f6glich gemacht werden.\n\nDie Ausstellung benutzt das Bild der Membran, um k\u00fcnstlerische Positionen zu pr\u00e4sentieren, die vorherrschende Sichtweisen und Narrative hinterfragen. Dabei steht die Dringlichkeit, Denken, Sprache, Klang und Wahrnehmung zu dekolonisieren im Vordergrund der k\u00fcnstlerischen Praxis. In ihren Arbeiten untersuchen die K\u00fcnstler*innen die Subjektivit\u00e4t und k\u00f6rperliche Repr\u00e4sentationen und finden Wege, mit \u00fcberkommenen Wirklichkeitsvorstellungen zu brechen. Sie erm\u00f6glichen ein breiteres Bewusstsein, eines, das die Verschiedenartigkeit der Welten ber\u00fccksichtigt und das Entstehen einer umfassenden Art des Lernens und des Umgangs mit der Zukunft f\u00f6rdert.\n\nJANINE JEMBERE &amp; NICOLE SUZUKI sowie LUIZA PRADO DE O. MARTINS befassen sich in Installationen und digitalen Projekten mit dem Verh\u00e4ltnis von Macht, Schreiben und Verschleierung sowie Theorien zu Dekolonialit\u00e4t und Gender. Die Arbeiten werden erg\u00e4nzt mit einer Soundinstallation von LAMIN FOFANA, Gast des Membrane Festivals, und Bearbeitungen von deutschen Fotoarchiven aus der Kolonialzeit der namibischen K\u00fcnstlerin VITJITUA NDJIHARINE.\n\n<hr \/>\n\n<strong>Lamin Fofana<\/strong>\n<strong>Fugitive Dreams (Fl\u00fcchtige Tr\u00e4ume)<\/strong>\nSound Installation, 2019\n\nLamin Fofana ist K\u00fcnstler und Produzent elektronischer Musik. Er lebt in Berlin, stammt aus Sierra Leone und hat in Guinea und den USA gelebt. Mit seiner elektronischen Instrumentalmusik widersetzt er sich der Wirklichkeit unserer Welt und weist \u00fcber sie hinaus. Er erkundet Fragen zu Themen der Mobilit\u00e4t und Migration, Entfremdung und Zugeh\u00f6rigkeit.\n\n<em>The West is an insane asylum, a conscious and premeditated receptacle of black magic. <\/em>\n- Fred Moten\n\nWie ergeht es schwarzen Menschen im Westen? Wenn sich ihre afrikanische \u00c4sthetik nur in Zwischenr\u00e4umen, Grenzzonen und der Peripherie des Normativen zeigen kann. Sie sind sich selbst grundlegend entfremdet, in sozialer und politischer Hinsicht, w\u00e4hrend sie gleichzeitig umringt werden von einer \u00e4sthetischen Hyper-Exotisierung: Ihre ansonsten unterbewerteten K\u00f6rper finden sie in den Medien und auf Reklametafeln f\u00fcr gro\u00dfe Produktkampagnen wieder \u2013 Nike, iPhone \u2013 wo leblosen und mond\u00e4nen Objekten Leben eingehaucht werden soll, um den Kapitalfluss in Gang zu setzen.\n\nDie Philosophinnen Sylvia Wynter und Hortense Spillers publizierten in der zweiten H\u00e4lfte des 20. und im 21. Jahrhundert Werke, die auf die paradoxe Situation des schwarzen Menschen in der westlichen Welt eingehen. <em>Fugitive Dreams<\/em> ist der Versuch des K\u00fcnstlers, einige dieser Ideen \u2013 die ihn zutiefst inspirieren und seine eigene Erfahrung widerspiegeln \u2013 mit dem affektiven Medium Klang zu interpretieren.\n\n<hr \/>\n\n<strong>Janine Jembere\nNicole Suzuki<\/strong>\n<strong>The Text Is Text-ile &amp; Of Sounds and Something Else (Der Text ist Text-il &amp;\nVon Kl\u00e4ngen und etwas Anderem)<\/strong>\nVerschiedene Medien, 2018\n\nDie Videok\u00fcnstlerin Janine Jembere entwickelt in wechselnden Konstellationen Video- und Klangprojekte sowie p\u00e4dagogische Konzepte. Ihre performativen Arbeiten kreisen um die Themen Sinnlichkeit und K\u00f6rper. Dabei hinterfragt sie vor allem g\u00e4ngige Betrachtungsweisen von Repr\u00e4sentation und \u00dcbersetzbarkeit, von Ableismus, Race und Gender. Ihr Interesse gilt dabei den Resonanzen des verk\u00f6rperten Wissens, den sinnlichen Hierarchien sowie dem Konzept der Dissonanz als Mittel, Verschiedenartigkeit zu denken und zu leben.\n\nNicole Suzuki ist K\u00fcnstlerin, Politikwissenschaftlerin, Dozentin sowie PhD-in-Practice- Kandidatin an der Akademie der bildenden K\u00fcnste Wien. Dar\u00fcber hinaus leitet sie den Verlag Zaglossus. Sie arbeitet in verschiedenen Medien zu Fragen der Wissensproduktion, wobei sie ihre Arbeit stets in einen Dialog mit postkolonialer sowie queer-of-color-Kritik treten l\u00e4sst.\n\nPapier ist leicht und ein wirkm\u00e4chtiges Werkzeug der Wissenserzeugung und der Wissenstilgung, der Machtreproduktion und -festigung. Einige Formen des Schreibens, des Lesens, des Kodierens und Verbergens werden hier sichtbar gemacht. Die Ausstellung l\u00e4dt dazu ein, sich von der Annahme des leeren Blattes als neutralem Raum zu l\u00f6sen. Ausgehend von Papier und Schrift (wie in der Geschichtsschreibung) und inspiriert von der japanischen Kunst des <em>Shifu<\/em>, einem Song des amerikanischen Jazzmusikers<em> Sun Ra<\/em>, der Kunstform des <em>asemic-writing<\/em> sowie alten Bildschirmschonern zielen die Arbeiten darauf ab, die M\u00f6glichkeiten eines materiellen, emotionalen und ungehorsamen Lesens und Schreibens aufzuzeigen.\n\n<hr \/>\n\n<strong>Vitjitua Ndjiharine\nIkonowand\/Gespiegelte Realit\u00e4t<\/strong>\nDigitaler Druck und Spiegelfolie auf Forex, 2018\n\nDie bildende K\u00fcnstlerin Vitjitua Ndjiharine arbeitet multidisziplin\u00e4r mit unterschiedlichen Medien.\nSie entwickelt Strategien, um die p\u00e4dagogische Wirkung von Texten und Bildern kolonialer Archive zu dekonstruieren und in einen neuen Kontext zu stellen. Die Zeichnungen, Gem\u00e4lde, Kollagen und Installationen regen zur kritischen Auseinandersetzung mit umstrittenen historischen Themen an.\n\nKolonialfotografien gelten als wichtige Informationsquellen zur deutschen Kolonialzeit in Namibia. Sie erm\u00f6glichten damals schon dem Publikum, sich das Leben an diesem fremden Ort vorzustellen. Die Fotografien erzeugen jedoch ein verzerrtes Bild des kolonisierten Namibias und geben wenig Aufschluss \u00fcber die Erfahrungswelt der abgebildeten Menschen. Stattdessen veranschaulichen sie die Weltbilder der Forscher, Fotografen, \u00bbEntdecker\u00ab, Sammler und Historiker der Zeit, durch die heutige Gesellschaften nachhaltig gepr\u00e4gt sind.\n\nNach ihrem Eingang im Museum wurden fotografische Abz\u00fcge auf sogenannten Ikonokatalogkarten inventarisiert, und Informationen zu Zeit, Ort, Gegenstand und Herkunft des Bildes eingetragen. Die herabsetzenden Zuschreibungen, die zur Kategorisierung der abgebildeten Menschen verwendet wurden, spiegeln eine koloniale Wissensordnung wider. Indem die K\u00fcnstlerin die schwarzen Subjekte aus den Bildern entfernt, entzieht sie sie den kolonialen und ethnografischen Blickregimen. Die an ihrer Stelle eingearbeitete Spiegelfolie wirft die Betrachter*innen und ihre Blicke auf sich selbst zur\u00fcck.\n\n<em>Ikonowand\/Gespiegelte Realit\u00e4t<\/em>\u00a0wurde im Rahmen eines Forschungsstipendiums der Gerda Henkel Stiftung in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle \u00bbHamburgs (post-)koloniales Erbe\u00ab der Universit\u00e4t Hamburg erstellt.\n\n<hr \/>\n\n<strong>Luiza Prado de O. Martins\nAll Directions at Once (Alle Richtungen auf einmal)<\/strong>\nVideo, Plakate, 2018\n\nLuiza Prado de O. Martins\u2018 Arbeit betrachtet die materielle und visuelle Kultur durch die Linse dekolonialer sowie queerer Theorien. In ihrer Dissertation untersuchte Prado de O. Martins Technologien und Praktiken der Geburtenkontrolle sowie deren Verstrickungen mit der kolonialen Hierarchisierung von Geschlechterrollen, Abstammung, Ethnizit\u00e4t, Klasse und Nationalit\u00e4t. Dabei entwickelte sie die Idee der \u00bbTechno-\u00d6kologien f\u00fcr Geburtenkontrolle\u00ab als Rahmenstruktur, um biopolitische Debatten, die rund um die Geburtskontrollpraktiken entstanden, zu beobachten und auf sie einzuwirken.\n\nDer innerhalb der Ausstellung gezeigte GIF-Essay, der Teil eines gr\u00f6\u00dferen Werks mit dem Titel <em>A Topography of Excesses <\/em>[Eine Topografie von Exzessen] ist, besch\u00e4ftigt sich mit den Praktiken der Geburtenkontrolle durch pflanzliche Mittel sowie mit der \u00dcberlieferung indigenen und volkst\u00fcmlichen Wissens als Akt der radikalen Befreiung aus kolonialen Strukturen.\n\nDurch Geschichten \u00fcber <em>ayoowiri<\/em> sowie andere kontrazeptiv und abtreibend wirkende Pflanzen n\u00e4hrt der Essay die Idee einer radikalen Selbstbestimmtheit und enth\u00fcllt die poetischen Dimensionen des \u00dcberflusses als eines fragmentierten, schnelllebigen Pluriversums, das verschiedene Sichtweisen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinandergreifen l\u00e4sst; ein loses Gef\u00fcge, das sich in alle Richtungen auf einmal bewegt.\n\nDer GIF-Essay erm\u00f6glicht so eine Umdeutung der Geschichte der Geburtenkontrolle und pr\u00e4sentiert die Narrative damit weniger als Teil eines linearen und universellen Kontinuums, sondern vielmehr als Teil eines fragmentierten, schnelllebigen Pluriversums, das als vergangen, gegenw\u00e4rtig oder zuk\u00fcnftig Wahrgenommenes ineinandergreifen l\u00e4sst. Die Bilderstrecke soll dabei als ein einheitliches Werk pr\u00e4sentiert und visualisiert werden, auf einem Blatt. Jedes Bild ist eine Endlosschleife; ein loses Gef\u00fcge, das sich in alle Richtungen auf einmal bewegt.\n\n<hr \/>\n\nAm 18. Mai um 16.30 Uhr spricht Vitjitua Ndjiharine \u00fcber ihre k\u00fcnstlerische Arbeit und w\u00e4hrend des Membrane Festivals finden am 23. und am 26. Mai, jeweils um 15 Uhr F\u00fchrungen durch die Ausstellung statt.\n\n<hr \/>\n\n<strong>ER\u00d6FFNUNG: <\/strong>16. Mai 2019, 19 Uhr\n\n<strong>AUSSTELLUNGSDAUER:<\/strong> 17. Mai\u201330. Juni 2019\n\n<strong>\u00d6FFNUNGSZEITEN: <\/strong>Do 17\u201319 Uhr, Sa\/So 14\u201318 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung\n0711 996 19 474.\u00a0<strong>W\u00e4hrend des Festivals<\/strong> 23.\u201326. Mai: 14\u201318 Uhr\n\n<strong>F\u00fchrungen w\u00e4hrend des Festivals:<\/strong> 23. und 26. Mai: 15 Uhr\n\n<strong>K\u00dcNSTLERGESPR\u00c4CH mit Vitjitua Ndjiharine:<\/strong> 18. 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