{"id":45917,"date":"2026-08-14T12:31:23","date_gmt":"2026-08-14T10:31:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/?post_type=person&#038;p=45917"},"modified":"2026-08-14T12:31:23","modified_gmt":"2026-08-14T10:31:23","slug":"mohsin-shafi","status":"publish","type":"person","link":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/person\/mohsin-shafi\/","title":{"rendered":"Mohsin Shafi"},"content":{"rendered":"","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_members_access_role":[],"_members_access_error":""},"person_type":[57],"program":[346],"practice_field":[141],"year_generation":[858],"class_list":["post-45917","person","type-person","status-publish","hentry","person_type-stipendiatinnen","program-solitude-stipendium","practice_field-visuell","year_generation-858"],"acf":{"person_id__old":"","person_name":{"person_name":"Mohsin","person_middlename":"","person_surname":"Shafi"},"person_metadata":"","person_position":[57],"person_job":"","person_txt":"Mohsin Shafi ist ein visueller Essayist mit Wohnsitz in Lahore\/Pakistan, dessen interdisziplin\u00e4re Praxis aus dem rastlosen Puls S\u00fcdasiens hervorgeht \u2013 seinen Leerstellen, Widerspr\u00fcchen und intimen Geschichten \u2013 und sich in Bewegtbild, Installation, Performance, Klang, Text, Zeichnung und Mixed-Media-Collage entfaltet. Er sch\u00f6pft aus der Alltagskultur, m\u00fcndlichen Traditionen, dem Wissen seiner Eltern sowie aus literarischen und musikalischen \u00dcberlieferungen, die von Volkslegenden und kulturellen Vorfahren weitergetragen werden. Ohne der zeitgen\u00f6ssischen westlichen Theorie die alleinige Deutungshoheit einzur\u00e4umen, wendet sich Shafi regionalen Philosophien zu, um F\u00fcrsorge, Vorstellungskraft und Koexistenz vor dem Hintergrund der fortwirkenden Folgen kolonialer Herrschaft neu zu denken.\r\n\r\nDas Aufwachsen zwischen Punjabi und Urdu, bevor er deutlich sp\u00e4ter mit Englisch in Ber\u00fchrung kam, pr\u00e4gte sein Verst\u00e4ndnis von Ausdruck \u2013 verbal, visuell und materiell \u2013 als etwas Inszeniertes, Z\u00f6gerliches, Interpretierbares, \u00dcbersetzbares und fortw\u00e4hrend Aushandelbares. Diese Sensibilit\u00e4t bestimmt seine Arbeitsweise im Atelier. Anstatt verschiedene Medien voneinander zu trennen, l\u00e4sst er sie sich \u00fcberlagern, einander unterbrechen und erg\u00e4nzen, im Vertrauen darauf, dass jedes Bedeutungen vermitteln kann, die die anderen nicht vollst\u00e4ndig zu fassen verm\u00f6gen.\r\n\r\nShafis autobiografische Methode bedient sich der Selbstmimikry, um gelebte Wirklichkeiten durch Verletzlichkeit offenzulegen, ohne sie auf Bekenntnisse zu reduzieren. Seine Arbeiten vereinen Trauma und Heilung, Depression und Absurdit\u00e4t, Trauer und Sehnsucht sowie Tragik und Z\u00e4rtlichkeit. Satire, subtiler und schwarzer Humor widersetzen sich eindeutigen Lesarten. Oft emotional aufgeladen und politisch sensibel, ist sein Werk mitunter sowohl staatlicher als auch selbst auferlegter Zensur begegnet. Ein fr\u00fcheres Projekt, <em>SADAISM<\/em> \u2013 abgeleitet von <em>sada<\/em>, was auf Punjabi \u00bbunser Eigenes\u00ab bedeutet \u2013 \u00fcbertrug dadaistische Strategien auf den pakistanischen Kontext und nutzte Parodie, um Machtstrukturen zu hinterfragen.\r\n\r\nAn der Akademie Schloss Solitude entwickelt Shafi derzeit <em>German Dawakhana<\/em>, eine visuelle Untersuchung, die zwischen Lahore und Stuttgart\/Deutschland angesiedelt ist. Ausgehend von handgemalten Schildern, Wandtexten und preisg\u00fcnstig gedruckten Klinikplakaten, die zum allt\u00e4glichen Stadtbild Pakistans geh\u00f6ren, \u00fcberf\u00fchrt das Projekt diese Stra\u00dfensprache in ein spekulatives Archiv. Es untersucht, wie die geliehene Autorit\u00e4t Deutschlands Versprechen m\u00e4nnlicher St\u00e4rke Glaubw\u00fcrdigkeit verleiht, w\u00e4hrend idealisierte K\u00f6rper M\u00e4nnlichkeit zu einem Ma\u00dfstab machen, an dem Betrachter*innen sich selbst messen \u2013 und so Begehren, Scham und Selbstzweifel erzeugen. Das Thema besitzt eine pers\u00f6nliche Genealogie: Seine Urgro\u00dfmutter war Heilerin in Indien, sein Gro\u00dfvater praktizierte <em>hikmat<\/em>, und sein Vater verband Pharmazie mit dem Wissen, das \u00fcber diese famili\u00e4re Linie weitergegeben wurde.\r\n\r\nW\u00e4hrend seines Stipendiums arbeitet Shafi au\u00dferdem an der Fertigstellung von <em>Bollywood Destroyed My Expectations of Love<\/em>. Das als bildschirmbasierte Arbeit konzipierte Werk imitiert und irritiert Konventionen des Bollywood-Kinos, indem es s\u00fcdasiatische filmische Fantasien mit einem autobiografischen Archiv vergleicht, das zwischen Pakistan und Europa entstanden ist. Pers\u00f6nliche Korrespondenz, inszenierte Selbstdarstellungen, Dialoge, Lieder und Reisen verdichten sich in fragilem Filmmaterial, das die Distanz zwischen Fiktion und Realit\u00e4t nachzeichnet. Nachdem das Werk zu einer selbstbestimmten Form des Abschlusses gelangt ist, deutet es das Motiv des \u00bbgl\u00fccklich bis ans Ende ihrer Tage\u00ab als eine Zukunft um, die nicht l\u00e4nger von jener Person abh\u00e4ngt, die einst darin vorgestellt wurde.\r\n\r\nParallel dazu entwickelt Shafi <em>Malamtiya<\/em>, eine zutiefst pers\u00f6nliche Untersuchung, die vorkoloniale Vorstellungen von Liebe und Intimit\u00e4t mit sufistischem Denken, Trauer, elterlicher Erinnerung, Nonkonformit\u00e4t und Hingabe ohne Selbstaufgabe in Beziehung setzt. Zudem schreibt er sein erstes Buch, <em>Almost: A Memoir in Progress<\/em>, in dem Essay, autobiografisches Schreiben und literarische Reflexion zusammenfinden.\r\n<p data-pm-slice=\"1 1 []\">Zu den Institutionen, in denen seine Arbeiten zuletzt pr\u00e4sentiert wurden, z\u00e4hlen die Kunsthalle Krems, \u00d6sterreich (2025\u20132026), das Queer Museum Vienna, \u00d6sterreich (2024), und die Bundeskunsthalle, Bonn\/Deutschland (2026). Residenzaufenthalte f\u00fchrten ihn unter anderem zu AIR Nieder\u00f6sterreich, Krems (2024), 1646 Experimental Art Space, Den Haag\/Niederlande (2021), und Atelier Mondial, Basel\/Schweiz (2019).<\/p>\r\nZu seinen j\u00fcngsten Projekten in Pakistan z\u00e4hlen die Einzelausstellung <em>The Anatomy of Becoming<\/em> in der Canvas Gallery in Karachi\/Pakistan, einer der f\u00fchrenden Einrichtungen f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst des Landes, sowie <em>Museum of Repairing Reminiscences<\/em>, ein einj\u00e4hriges partizipatives Museumsexperiment, das er gemeinsam mit der Vasl Artists\u2019 Association, Karachi, und The Repair Atelier, Providence\/USA, konzipierte und entwickelte.\r\n\r\nEr studierte Design und Bildende Kunst am National College of Arts in Lahore, einer der \u00e4ltesten Kunsthochschulen S\u00fcdasiens.","person_txt_short":"","person_img":45918,"person_website":"","person_links":null,"person_year":[858],"person_residencies":[{"person_stay_from":"20260701","person_stay_to":"20270331"}],"person_residency_sort_stay_from":null,"person_residency_sort_stay_to":null,"person_practice_field":[141],"person_program":[346],"person_locations":[{"person_city":"Lahore","person_country":"Pakistan"}],"person_country":"","related_posts_event":"","related_posts_news":"","related_posts_post":"","related_posts_schlosspost":null,"person_fellow_juror_relation":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/person\/45917","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/person"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/person"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"acf:term":[{"embeddable":true,"taxonomy":"program","href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/program\/346"},{"embeddable":true,"taxonomy":"practice_field","href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/practice_field\/141"},{"embeddable":true,"taxonomy":"year_generation","href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/year_generation\/858"},{"embeddable":true,"taxonomy":"person_type","href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/person_type\/57"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45917"}],"wp:term":[{"taxonomy":"person_type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/person_type?post=45917"},{"taxonomy":"program","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/program?post=45917"},{"taxonomy":"practice_field","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/practice_field?post=45917"},{"taxonomy":"year_generation","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/year_generation?post=45917"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}