{"id":21144,"date":"2020-08-27T10:28:03","date_gmt":"2020-08-27T08:28:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/?p=21144"},"modified":"2021-12-02T08:58:28","modified_gmt":"2021-12-02T07:58:28","slug":"30-year-anniversary-of-akademie-schloss-solitude-potential-for-a-change","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/30-year-anniversary-of-akademie-schloss-solitude-potential-for-a-change\/","title":{"rendered":"30 Jahre Akademie Schloss Solitude \u2013 \u00dcber transformatives Potenzial, Imagination und k\u00fcnstlerische Praxis"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"project":[],"project_type":[],"class_list":["post-21144","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"acf":{"bgcolor":"","bgcolor_custom":"","custom_color_css_variable":"","content_type":[{"acf_fc_layout":"content_img","acfe_flexible_layout_title":"Bild(er)","bgcolor":"","bgcolor_custom":"","layout_col_size":6,"img_gallery":false,"img":[21151],"img_gallery_format":"is-16by9"},{"acf_fc_layout":"content_txt","acfe_flexible_layout_title":"Text","bgcolor":"","bgcolor_custom":"","layout_col_size":8,"txt_cols":"is-1-txtcol","txt":"Klicken Sie <a href=\"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/30-year-anniversary-of-akademie-schloss-solitude-potential-for-a-change-2\/\">hier<\/a>, um das Interview auf Englisch zu lesen.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<em>Frau aus dem Moore, die Akademie Schloss Solitude feiert unter dem Motto \u00bbTransformation \u2013 Unfolding the Future\u00ab in diesem Jahr ihr 30-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um. Worauf spielen Sie damit an?<\/em>\r\n\r\n<strong>Elke aus dem Moore:<\/strong> Wir leben in einer Zeit des tiefgreifenden Wandels und erleben aktuell massive Ver\u00e4nderungen in der Gesellschaft, \u00d6kologie, Wirtschaft und Technologie. Als wir die Planungen zum Jubil\u00e4umsjahr begannen, konnten wir den Ausbruch von Covid-19 noch nicht ahnen. Und trotzdem nehmen wir mit dem Thema des Jubil\u00e4umsjahrs auf etwas Bezug, das sich in der Corona-Krise ganz deutlich zuspitzt: Eine Transformation der Art und Weise, wie wir unser Zusammenleben gestalten aber auch wie wir in planetarischem Ausma\u00df leben. Wichtig ist heute, die Begrenztheit und damit das Ende des Anthropoz\u00e4ns anzuerkennen, also jenes Zeitalter, in dem der Mensch zum geologischen Faktor wurde. Heute ist es wichtig, sich als Mensch verst\u00e4rkt als Teil eines Ganzen zu verstehen und das gesamte Denken und Handeln darauf auszurichten.\r\n\r\nAn diesem Punkt der Erkenntnis kann Kunst und k\u00fcnstlerische Forschung entscheidende Beitr\u00e4ge leisten, um die Zukunft zu gestalten. Ich sehe hier eine ganz besondere Aufgabe von Institutionen einen M\u00f6glichkeitsraum f\u00fcr kollektives und k\u00fcnstlerisches Denken, Forschen und Gestalten zu gestalten.\r\n\r\n<em>K\u00f6nnen Sie den Begriff des Planetarischen und des Kollektiven weiter ausf\u00fchren? Meines Erachtens scheint er etwas Anderes zu meinen, als der Begriff des Globalen, der man mit weltwirtschaftlichen Entwicklungen der j\u00fcngeren Zeitgeschichte assoziiert.<\/em>\r\n<blockquote>\u00bbHeute ist es wichtig, sich als Mensch verst\u00e4rkt als Teil eines Ganzen zu verstehen und das gesamte Denken und Handeln darauf auszurichten.\u00ab<\/blockquote>\r\nDer Wandel, der sich derzeit vollzieht, betrifft nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch den Planeten, der ein Teil eines Universums ist. Er hat eine planetarische Dimension. Damit meine ich, dass der durch den Menschen gemachte Klimawandel bewirkt, dass sowohl das \u00f6kologische als auch das planetarische Gleichgewicht au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t. Es geht um die Erde im Kontext von anderen Planeten, also das Universum als Ganzes und auch als Teil einer Gruppe weiterer Universen. Wir k\u00f6nnen die Erde nicht isoliert betrachten.\r\n\r\nVon dieser Metaebene komme ich jetzt wieder zur\u00fcck auf das, was auf der Erde passiert. Denn gerade dort sp\u00fcren wir, dass wir als Menschen immer in Beziehungen zu anderen stehen und uns innerhalb eines gemeinsamen Kontextes sehen m\u00fcssen. Anders geht es gar nicht. Damit beziehe ich mich \u00fcbrigens nicht nur auf menschliche Wesen, sondern auf s\u00e4mtliche Lebensformen, die diesen Planeten bev\u00f6lkern. Wir m\u00fcssen anerkennen, dass es neben unserem menschlichen Wissen auch andere Wissenssysteme gibt, etwa von Tieren, Pflanzen oder Viren."},{"acf_fc_layout":"content_img","acfe_flexible_layout_title":"Bild(er)","bgcolor":"","bgcolor_custom":"","layout_col_size":6,"img_gallery":false,"img":[21153],"img_gallery_format":""},{"acf_fc_layout":"content_img","acfe_flexible_layout_title":"Bild(er)","bgcolor":"","bgcolor_custom":"","layout_col_size":6,"img_gallery":false,"img":[21147],"img_gallery_format":""},{"acf_fc_layout":"content_txt","acfe_flexible_layout_title":"Text","bgcolor":"","bgcolor_custom":"","layout_col_size":8,"txt_cols":"is-1-txtcol","txt":"<em>Lassen Sie uns auf die Akademie Schloss Solitude zu sprechen kommen. Was kann eine K\u00fcnstlerresidenz in dieser Situation leisten?<\/em>\r\n\r\nAls internationale und transdisziplin\u00e4re K\u00fcnstlerresidenz steht die Akademie Schloss Solitude im Besonderen f\u00fcr etwas Vereinendes, eine gemeinsame Summe erzeugendes. Die Akademie ist ein Ort, an dem \u00fcber vielf\u00e4ltige Zusammenh\u00e4nge reflektiert, neuartige Formen der kollektiven Wissensproduktion und des sozialen Miteinanders erprobt werden. Und wichtige Denkprozesse unabh\u00e4ngig von Institutionen entwickelt werden k\u00f6nnen. Genau diese Multiperspektivit\u00e4t und der Freiraum sind die Gr\u00fcnde, weshalb eine K\u00fcnstlerresidenz wie die Akademie Schloss Solitude f\u00fcr die heutige Gesellschaft und ihre Komplexit\u00e4t eine gewichtige Rolle spielt, und das Potenzial hat, transformatorische Prozesse mit zu gestalten. In dem neuen Leitbild der Akademie wird genau das sehr sch\u00f6n formuliert: \u00bb Ihr einzigartiges Modell er\u00f6ffnet K\u00fcnstler*innen und Wissenschaftler*innen wertvolle Freir\u00e4ume zur Entwicklung ihrer Arbeit und zur Forschung[...]. Auf Basis dieser Freiheit wird es m\u00f6glich, bestehende Wissenshierarchien zu hinterfragen und alternative Zukunftsentw\u00fcrfe zu entwickeln.\u00ab\r\n\r\n<em>Die Akademie Schloss Solitude ist auch daf\u00fcr bekannt, die Arbeit ihrer Stipendiat*innen in unterschiedlichen Formaten zu pr\u00e4sentieren und der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen. So sind im Jubil\u00e4umsjahr Kooperationen mit dem Kunstmuseum Stuttgart und der Staatsgalerie geplant, um nur zwei Beispiele zu nennen. Welche Auswirkungen haben die mit dem Coronavirus einhergehenden Restriktionen auf die Akademie?<\/em>\r\n\r\nWir haben einen Gro\u00dfteil unserer Formate und Programme umgestaltet und setzen auch auf digitale und kleinere Formate. Im Sommer fand auf dem Gel\u00e4nde der Akademie Schloss Solitude das\u00a0<strong>\u00bbSolitude Mikro-Sommerfestival\u00ab<\/strong> statt. In einem kleinen experimentellen Rahmen, erm\u00f6glichen wir trotz erschwerten Bedingungen\u00a0pers\u00f6nliche Begegnungen mit den Stipendiat*inne. Uns kommt besonders zugute, dass die Akademie das Digitale schon sehr fr\u00fch als eine Sph\u00e4re der k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit begriffen hat und wir mit dem online Magazin Schlosspost und den <strong>\u00bbWeb Residencies\u00ab<\/strong> Strukturen geschaffen haben, um k\u00fcnstlerische Diskurse und Projekte der Stipendiat*innen zu lancieren. Diese Ebene bauen wir derzeit weiter aus, neben den <strong>\u00bbSolitude Journals\u00ab<\/strong>, die thematisch ausgerichtet sind, finden sich im <strong>\u00bbSolitude Blog\u00ab<\/strong> aktuelle Beitr\u00e4ge von Stipendiat*innen und Alumnis der Akademie. Dar\u00fcberhinaus planen wir eine Erweiterung der Akademie mit Bildungsangeboten, wie eine Reihe an Online Events, aktuell zum Thema <strong>\u00bbAlternative Netzwerke\u00ab<\/strong>.\r\n<blockquote>\u00bbDie Akademie ist ein Ort, an dem \u00fcber vielf\u00e4ltige Zusammenh\u00e4nge reflektiert, neuartige Formen der kollektiven Wissensproduktion und des sozialen Miteinanders erprobt werden. Und wichtige Denkprozesse unabh\u00e4ngig von Institutionen entwickelt werden k\u00f6nnen. Genau diese Multiperspektivit\u00e4t und der Freiraum sind die Gr\u00fcnde, weshalb eine K\u00fcnstlerresidenz wie die Akademie Schloss Solitude f\u00fcr die heutige Gesellschaft und ihre Komplexit\u00e4t eine gewichtige Rolle spielt, und das Potenzial hat, transformatorische Prozesse mit zu gestalten.\u00ab<\/blockquote>\r\nDes Weiteren haben wir vor allem intern Formate entwickelt, die das gemeinsame Arbeiten erm\u00f6glichen. <strong>\u00bbEcosystems of Knowledge\u00ab<\/strong> ist ein neues Format, das erlaubt die jeweiligen Arbeitsthemen von Stipendiat*innen aufzugreifen, zu b\u00fcndeln und gemeinsames Forschen zu erm\u00f6glichen. Hier werden Themen wie Non-Human-Knowledge multiperspektivisch diskutiert. Zu den regelm\u00e4\u00dfig stattfinden Treffen werden auch Expert*innen \u00fcber webbasierte Dienste zugeschaltet, um einen Austausch \u00fcber die Grenzen der Akademie hinaus zu gew\u00e4hren. Dieses neue Format verstehe ich als eine Plattform der kollektiven Wissensproduktion. Sie f\u00fchrt letztlich etwas fort, was an der Akademie in losen Strukturen permanent geschieht."},{"acf_fc_layout":"content_img","acfe_flexible_layout_title":"Bild(er)","bgcolor":"","bgcolor_custom":"","layout_col_size":6,"img_gallery":false,"img":[21158],"img_gallery_format":""},{"acf_fc_layout":"content_txt","acfe_flexible_layout_title":"Text","bgcolor":"","bgcolor_custom":"","layout_col_size":8,"txt_cols":"is-1-txtcol","txt":"<em>K\u00f6nnen Sie die Bedeutung von dieser gemeinsamen Art der k\u00fcnstlerischen Forschung noch weiter ausf\u00fchren? Was kann daraus entstehen?<\/em>\r\n\r\nSchon seit den fr\u00fchen Nullerjahren bem\u00fcht sich die Akademie Schloss Solitude, etwa in der Kooperation mit dem Forschungscampus der Firma Bosch, aktiv mit gesellschaftlichen Bereichen in Kontakt zu treten, die klassischerweise nicht mit der Kunstwelt verbunden sind.\r\n\r\nKunst hat das Potential au\u00dferhalb festgelegter Denkmuster zu agieren, das ist eine Grundvoraussetzung f\u00fcr Innovation und die Gestaltung tiefgreifender Ver\u00e4nderungen.\r\n\r\nDie Akademie Schloss Solitude wird sich in Zukunft st\u00e4rker im Bereich der <strong>K\u00fcnstlerischen Forschung<\/strong> positionieren, denn wir sind davon \u00fcberzeugt, dass k\u00fcnstlerische Verfahrensweisen und Ans\u00e4tze eine wichtige Form ist, Wissen und Erkenntnis zu erzeugen und damit diskursive Prozesse in Gang zu setzen.\r\n\r\nIn naher Zukunft werden wir uns noch intensiver damit auseinandersetzen, wie man transdisziplin\u00e4res Forschen st\u00e4rken kann. Ab Herbst werden sich in einer internationalen und transdisziplin\u00e4ren Lerneinheit sieben Stipendiat*innen unter dem Thema <strong>\u00bbMutation\u00ab<\/strong> mit der Frage besch\u00e4ftigen, wie Wissen aus unterschiedlichen k\u00fcnstlerischen Perspektiven zusammengef\u00fchrt werden kann. Ein Fokus dieses <strong>neuen transdisziplin\u00e4ren Progamms<\/strong>, das wir gemeinsam mit der KfW Stiftung aufsetzen, wird darin bestehen, dar\u00fcber nachzudenken, wie das Wissen, das sich aus k\u00fcnstlerischem Denken, Handeln, Forschen generiert, in gesellschaftliche Prozesse einflie\u00dfen und implementiert werden kann.\r\n<blockquote>\u00bbKunst hat das Potential au\u00dferhalb festgelegter Denkmuster zu agieren, das ist eine Grundvoraussetzung f\u00fcr Innovation und die Gestaltung tiefgreifender Ver\u00e4nderungen. (...) Ich bin zutiefst der \u00dcberzeugung, dass wir in der Kunst etwas suchen \u2013 und manchmal auch finden \u2013, das aus unserer Gesellschaft verdr\u00e4ngt wird. Konkret meine ich das freie k\u00fcnstlerische Imaginieren und Entwerfen, das jenseits von vorgegebenen Richtlinien stattfindet, also von Vorgaben, die uns im Denken einschr\u00e4nken. Kunst hat den gro\u00dfen Vorteil, dass das Denken, Handeln und Forschen erstmal jenseits von Realisierbarkeit stattfindet.\u00ab<\/blockquote>\r\n<em>Noch in diesem Jahr plant die Akademie, entlang der historischen Achse zwischen dem Residenzschloss Ludwigsburg und dem Schloss Solitude ein Kunstprojekt im \u00f6ffentlichen Raum zu initiieren. K\u00f6nnen Sie ein wenig mehr \u00fcber dieses Projekt und dessen Wirken in die Gesellschaft erz\u00e4hlen?<\/em>\r\n\r\nDer \u00bbKulturpfad\u00ab, so der Arbeitstitel des Projekts, zielt darauf ab, dass Stipendiat*innen und externe K\u00fcnstler*innen gemeinsam mit an der Solitudeallee ans\u00e4ssigen Menschen und Vereinen die nach wie vor physisch vorhandene historische Allee auch ideell zu einem verbindenden Element machen. F\u00fcr das Projekt ist die ergebnisoffene Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen von gro\u00dfer Bedeutung. Deswegen sind Formate wie Workshops f\u00fcr uns geeigneter, als das, was klassischerweise als Kunst im \u00f6ffentlichen Raum bezeichnet wird. Bereits Ende letzten Jahres haben wir Vertreter*innen der umliegenden Gemeinden, B\u00fcrgerinitiativen und Hochschulen zu Round-Table-Diskussionen eingeladen, bei denen das Projekt auf gro\u00dfe Zustimmung stie\u00df. Sie unterst\u00fctzen unser Vorhaben, in einem gemeinsamen sch\u00f6pferischen Prozess, einzelne Stationen entlang der historische Achse zu bespielen. Bisher haben schon viele an der Achse angesiedelte Gruppen und Institutionen wie Chloroplast e.V. und die Gemeinde Stammheim konkretes Interesse an dem Projekt ge\u00e4u\u00dfert. Insgesamt geht es vor allem darum, einerseits st\u00e4rkere Sichtbarkeit f\u00fcr Arbeiten von Stipendiat*innen zu erzielen und somit neue Zug\u00e4nge zur Kunst zu schaffen und zum anderen gemeinsam mit den umliegenden Gemeinden eine Reaktivierung der historischen Achse als \u201eKulturpfad\u201c vorzunehmen.\u00a0<em>\u00a0<\/em>\r\n\r\n<em>Sie haben bereits im Vorfeld dieses Gespr\u00e4chs erw\u00e4hnt, dass Sie sich sowohl beim \u00bbKulturpfad\u00ab als auch f\u00fcr das Programm der Akademie im Allgemeinen eine st\u00e4rkere Zusammenarbeit mit Jugendlichen w\u00fcnschen. K\u00f6nnen Sie erl\u00e4utern, was Sie gerade an dieser Altersgruppe interessiert? Mir scheint, dass wir damit auch wieder zu unserem Ausgangspunkt zur\u00fcckkommen werden, n\u00e4mlich dem Thema Transformation.<\/em>\r\n\r\nIch bin zutiefst der \u00dcberzeugung, dass wir in der Kunst etwas suchen \u2013 und manchmal auch finden \u2013, das aus unserer Gesellschaft verdr\u00e4ngt wird. Konkret meine ich das freie k\u00fcnstlerische Imaginieren und Entwerfen, das jenseits von vorgegebenen Richtlinien stattfindet, also von Vorgaben, die uns im Denken einschr\u00e4nken. Kunst hat den gro\u00dfen Vorteil, dass das Denken, Handeln und Forschen erstmal jenseits von Realisierbarkeit stattfindet. An dieser Stelle kommen die Jugendlichen ins Spiel. Wie in keinem anderen Lebensabschnitt geht es in der Pubert\u00e4t darum, sich auszuprobieren und Grenzen zu \u00fcberschreiten. Antropologisch gesehen entwickeln sich Gesellschaften nur weiter, wenn sie den Heranwachsenden genug Raum geben. Pubert\u00e4t k\u00f6nnte man auch als Potenzial f\u00fcr Ver\u00e4nderung \u00fcbersetzen. Denn Ver\u00e4nderung kann nur geschehen, wenn wir das, was uns eingrenzt, hinter uns lassen und nicht alles schon gedanklich vorwegnehmen.\r\n\r\nMenschen im jugendlichen Alter und K\u00fcnstler*innen eint diesbez\u00fcglich etwas und das m\u00f6chte ich gern zusammenf\u00fchren. Als ersten Schritt in diese Richtung habe ich an der Akademie einen Think Tank f\u00fcr Jugendliche gegr\u00fcndet, dessen Aktivit\u00e4ten in der Zukunft weiter ausgebaut werden.\r\n\r\n<em>K\u00f6nnen Sie schon etwas zu der Jubil\u00e4ums-Vortragsreihe verraten, die ab Juli stattfinden wird?<\/em>\r\n\r\nIch habe zu dieser Reihe ganz bewusst Denker*innen, K\u00fcnstler*innen und Wissenschaftler*innen eingeladen, die mit sehr unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema \u00bb<strong>Transformation\u00ab<\/strong> blicken. Welche \u00bbZutaten\u00ab sind notwendig, um Zukunft im Hinblick auf gesellschaftliches und solidarisches Zusammenleben besser zu gestalten. Zum Beispiel wird die afrobrasilianische Rechtswissenschaftlerin Denise Ferreira da Silva einen Vortrag \u00fcber Social Justice und Alltagsrassismus h\u00e4lt. Sie stellt Fragen nach der Konstituierung von Differenz und den gewaltvollen Mechanismen, die damit einhergehen. Mit Yvonne Adhiambo Owuor, habe ich mich bewusst daf\u00fcr entschieden, auch eine Schriftstellerin in die Runde aufzunehmen, die ich f\u00fcr ihre unb\u00e4ndige Kraft der Imagination bewundere. Sie ist die derzeitige Jurorin f\u00fcr Literatur an der Akademie Schloss Solitude.\r\n\r\n<em>\u00a0<\/em>"},{"acf_fc_layout":"content_img","acfe_flexible_layout_title":"Bild(er)","bgcolor":"","bgcolor_custom":"","layout_col_size":6,"img_gallery":false,"img":[21208],"img_gallery_format":""},{"acf_fc_layout":"content_txt","acfe_flexible_layout_title":"Text","bgcolor":"","bgcolor_custom":"","layout_col_size":8,"txt_cols":"is-1-txtcol","txt":"<em>Uns gef\u00e4llt der Begriff Imagination, weil er im Grunde alles enth\u00e4lt, wor\u00fcber wir gesprochen haben: Ver\u00e4nderung, Grenzen \u00fcberschreiten, k\u00fcnstlerisches Entwerfen. Eigentlich k\u00f6nnte man sagen, dass Wandel ohne Imagination unm\u00f6glich ist. Denn man verfolgt immer ein Ziel, wenn man sich f\u00fcr Ver\u00e4nderung einsetzt.<\/em>\r\n\r\nEinerseits schon, aber ich m\u00f6chte auch hinzuf\u00fcgen, dass Imagination ein solches Ziel, einen Effekt oder einen Handlungszwang eben nicht unbedingt braucht. Das finde ich \u00e4u\u00dferst wichtig. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich erlebe die aktuelle Corona-Krise insofern als kostbar, weil wir uns zum ersten Mal als Kollektiv damit konfrontiert sehen, nicht zu wissen, was kollektiv, global und planetarisch passiert. Wir werden davon profitieren, wenn wir diesen Zustand des Nicht-Wissens akzeptieren und uns auf ein kollektives Imaginieren einlassen.\r\n\r\n<em>Damit sind wir wieder bei der Kunst. Denn sch\u00f6pferische Prozesse k\u00f6nnte man auch als Umgang mit Nicht-Wissen beschreiben. Man beginnt mit etwas, aber die spannenden Momente resultieren aus den Differenzen oder einem Abweichen vom Plan. Als K\u00fcnstler*in muss man f\u00fcr diese Momente offen sein.<\/em>\r\n\r\nOder beim Waldspaziergang. Es ist medizinisch erforscht, dass ein Spaziergang im Wald der beste Blutdrucksenker ist. Warum ist das so? Warum ist der Wald der beste Lehrer und der beste Arzt? Weil wir uns in der Natur selbst wahrnehmen, sobald wir in sie eintreten. Damit w\u00e4ren wir wieder beim Getrenntsein und der Isolation, die nicht nur unsere Beziehungen zu anderen Menschen, sondern auch zu anderen Lebewesen und Dingen betrifft. Gehen wir in den Wald, verlassen wir eine uns vertraute Sph\u00e4re, in der wir uns aufteilen in ein Ich und Du. Oder in ein Ich und der Computer, oder ein Ich und die Gesellschaft. Nat\u00fcrlich ist der Wald nach wie vor als Gegen\u00fcber da \u2013 und trotzdem: wir atmen die gleiche Luft und so stellt sich ein Erleben von Einheit ein. Dieses Gef\u00fchl erm\u00f6glicht es uns wieder anders zu denken, und unser Denken schrittweise zu transformieren.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<em>Das Interview wurde von Sebastian Schneider und Denise Helene Sumi gef\u00fchrt.<\/em>"},{"acf_fc_layout":"content_img","acfe_flexible_layout_title":"Bild(er)","bgcolor":"","bgcolor_custom":"","layout_col_size":6,"img_gallery":false,"img":[21387],"img_gallery_format":""}],"intro_preview_headline":"Interview mit Elke aus dem Moore","intro_preview_txt":"Im Jahr 2020 feiert das internationale und transdisziplin\u00e4re K\u00fcnstlerresidenzprogramm Akademie Schloss Solitude sein 30-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um. Unter dem Motto \u00bbTransformation \u2013 Unfolding the Future\u00ab f\u00f6rdert die Akademie Schloss Solitude einen kontinuierlichen und offenen Dialog \u00fcber die Rolle der Kunst und der Institution im Kontext von gesellschaftlicher Transformation. Mit Elke aus dem Moore haben wir dar\u00fcber gesprochen, welches transformative Potenzial f\u00fcr eine bessere Zukunft sich durch transdisziplin\u00e4ren und genrations\u00fcbergreifenden Austausch, die Verschr\u00e4nkung von Kunst mit anderen gesellschaftlichen Bereichen und durch unsere eigene Imagination entfalten kann.","intro_preview_img":21151,"post_id_old":"","post_author":"","post_subtitle":"Interview mit Elke aus dem Moore ","post_preview_img_hide_on_single":true,"post_txt_old":"","post_pdf":null,"post_copyright":"ccl_default","translated_post":false,"translations":null,"post_copyright_individual":"","post_related_posts":[13198,13521,13594],"related_posts_post":[14280,7062,7070,0,17925,18257]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21144","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21144"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21144\/revisions"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/person\/18257"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/person\/17925"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/person\/7070"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/person\/7062"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/person\/14280"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13594"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13521"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13198"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21144"}],"wp:term":[{"taxonomy":"project","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project?post=21144"},{"taxonomy":"project_type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.akademie-solitude.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/project_type?post=21144"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}