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Feb 12, 2026
Das Marie-Zimmermann-Stipendium für Dramaturgie 2026 geht an Golschan Ahmad Haschemi
Golschan Ahmad Haschemi. Foto: GAH
Das von Friedrich Schirmer 2008 initiierte Marie-Zimmermann-Stipendium für Dramaturgie 2026 wurde vergeben. Einstimmig sprach sich die Jury in diesem Jahr für die Dramaturgin, Performerin und Autorin Golschan Ahmad Haschemi aus.
Im Andenken an die 2007 verstorbene Dramaturgin und Festivalmacherin Marie Zimmermann stiftete der ehemalige Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, Friedrich Schirmer, erstmalig im April 2008 ein Stipendium zur Förderung eines/einer Nachwuchsdramaturg*in aus der deutschsprachigen Theaterszene, welches durch die Akademie Schloss Solitude organisiert und vergeben wird. Seit 2019 wird das Marie-Zimmermann-Stipendium für Dramaturgie aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg finanziert. Das Stipendium richtet sich an Dramaturg*innen aus dem deutschsprachigen Raum und ist einzigartig in der Landschaft der Artist-in-Residence-Programme. Es umfasst ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro und ist mit einem zweimonatigen Aufenthalt in einem möblierten Wohn-/Arbeitsstudio an der Akademie Schloss Solitude verbunden.
Auch in diesem Jahr gingen zahlreiche hervorragende Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum für das Stipendium ein. Die Jury bestand aus Jeffrey Döring (freischaffender Projektleiter und Regisseur), Anna Gubiani (Chefdramaturgin an der Württembergischen Landesbühne, Esslingen), Carolin Hochleichter (Dramaturgin und Programmkuratorin für die Stiftung Humboldt Forum, Berlin) und Anne Fleckstein (Direktorin der Akademie Schloss Solitude).
Die Jury entschied sich einstimmig für die Dramaturgin, Autorin und Performerin Golschan Ahmad Haschemi (geboren 1985). Golschan Ahmad Haschemi studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim sowie an der Musik-und Theaterschule ESMAE in Porto. Sie arbeitet an Schnittstellen künstlerischer, politischer und wissenschaftlicher Diskurse um machtkritische Perspektiven und Praxen. Als freischaffende Dramaturgin ist sie beispielsweise in den Kollektiven AHH (Ahmad Haschemi/Hourmazdi) und donna’s gym aktiv und arbeitete unter anderem für das Staatstheater Hannover und das Ballhaus Ost, Berlin. Sie lehrte an der Universität Hildesheim und der Zürcher Hochschule der Künste. Mit Formaten wie der »Toolbox – Perspektiven und Diskurse zu diskriminierungskritischem Theater« entwickelt sie diskursive Formate, die Produktions- und Rezeptionsbedingungen thematisieren und ästhetische Praxis mit institutioneller Reflexion zusammenführen.
Als Begründung für die Vergabe des Stipendiums an Golschan Ahmad Haschemi schreibt die Jury:
»Wie wirken Sprache und Körper im Lachen zusammen? Wann entfaltet Stand-Up Comedy ihr machtkritisches Potential, indem sie ›nach oben boxt‹? Und wann tut sie das genaue Gegenteil, wenn sie gegen Sozialbenachteiligte austeilt? Wie lassen sich politische Entwicklungen und Kräfteverhältnisse in Stand-Up-Shows ablesen?
Fragen wie diesen geht die Dramaturgin, Performerin und Autorin Golschan Ahmad Haschemi in ihrer dramaturgischen Praxis nach. Dramaturgie versteht sie als Teil eines gemeinsamen künstlerischen, wie gesellschaftlichen Prozesses. Folglich verwirklicht sie ihre Arbeiten konsequent in künstlerischen Kollektiven. In Konstellationen, wie Techno Candy und AHH (Ahmad Haschemi/Hourmazdi), arbeitet Golschan Ahmad Haschemi an einer Dramaturgie, die eng mit gesellschafts- und diskriminierungskritischen Fragestellungen verbunden ist. Ihre Arbeit bewegt sich an den Schnittstellen von Kunst, politischer Bildung und theoretischer Reflexion. Dramaturgie wird bei ihr als Raum der Reibung, der kollektiven Reflexion und der Resonanz und damit als wesentlicher Bestandteil künstlerischer Prozesse erlebbar.
Im Rahmen des Marie-Zimmermann-Stipendiums für Dramaturgie wird Golschan Ahmad Haschemi Humor und Stand-Up auf ihr subversives Potential hin untersuchen. Im Austausch mit den anwesenden Künstler*innen an der Akademie Schloss Solitude wird sie ihre Forschungsfrage ausbauen und ihr Verständnis von Dramaturgie als kollektiven, prozesshaften Arbeitsmodus teilen und erweitern. In Zeiten rechtspopulistischer Tendenzen und finanziellem Druck auf die Künste ist Humor als zutiefst menschliche Qualität, genauso wie als theatrales Mittel und als kritisch politisches Werkzeug wichtiger denn je.
Die Jury würdigt Golschan Ahmad Haschemi als Dramaturgin, die eine der ältesten Techniken des Theaters – den Humor – nimmt, um ihn in einer zeitgenössischen, kollektiven und diskriminierungskritischen Praxis neu zu definieren.
Wir gratulieren Golschan Ahmad Haschemi von Herzen zum Marie-Zimmermann-Stipendium für Dramaturgie 2026!«