Game(s)Changer
Mit Spielen spielen – Spiel als gesellschaftlich relevante Kunstform
In einem dreijährigen Projekt beschäftigt sich die Akademie Schloss Solitude in Kooperation mit den Künstler*innen von Post Theater mit der Frage, wie Spiele zu künstlerischen Ausdrucksmitteln werden, die gesellschaftlich relevante Fragen aufgreifen können. Dazu werden in Workshops mit der spielenden Bevölkerung zwischen 18 und 28 Jahren gemeinsam Spiele gespielt, untersucht, selbst erfunden und präsentiert.
Noch nie wurde so viel gespielt wie heute – sei es analog oder digital. Gerade auch von jungen Erwachsenen. Hintergründe sind sowohl das gestiegene Angebot als auch das größere Bedürfnis nach gemeinschaftlichen Freizeitbetätigungen. Die Akademie Schloss Solitude und Post Theater laden Interessierte dazu ein, sich mit dem Spielen an sich und als Experimentierfeld für gesellschaftliche Themen auseinanderzusetzen. Im Austausch mit internationalen Künstler*innen an der Akademie Schloss Solitude und Fachleuten aus der Spielewelt können Spiele entdeckt, neu gedacht oder entwickelt werden.
Ein Game Changer ist ein radikaler Wendepunkt oder eine tiefgreifende Veränderung in einem eingespielten Prozess. Spielende können zu Spiele-Entwickler*innen werden und mit Spielen aktuelle Diskurse in der Gesellschaft verändern – gerade weil sie es erlauben, Themen spielerisch zu begreifen und zu behandeln.
Im ersten Jahr steht das Thema der kulturell vielfältigen Gesellschaft als Inhalt für Spiele im Fokus. Es folgen weitere Themen für das zweite und das dritte Jahr.
Eine Kooperation von Akademie Schloss Solitude und Post Theater
»Game(s)Changer« wird gefördert im Rahmen von Kulturkessel – eine Förderinitiative des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft in Stuttgart, ermöglicht durch Mercedes-Benz.
Photo/Design: Hiroko Tanahashi
Game(s)Changer 2026
»Süße Felder« – Eine Drop-in-Workshop-Serie
Nach der ersten Ausgabe »Play a New Bevölkerung – Wie möchten wir gemeinsam leben?« in 2025 richtet sich der Blick 2026 auf das Thema Zucker.
Kaum ein anderer Rohstoff verbindet Landwirtschaft, globale Handelsbeziehungen, Kolonialgeschichte, Ernährung und den eigenen Körper so unmittelbar. Zucker steht zugleich für Genuss und Gesundheit, für hochmechanisierte Landwirtschaft in der Region ebenso wie für die Geschichte von Plantagenwirtschaft und Ausbeutung.
Spiele über Zucker gibt es kaum. Dafür existieren zahlreiche Spiele über Landwirtschaft, Plantagen, Handel oder Süßwaren. Sie bringen ferne Orte ebenso wie alltägliche Dinge auf den Spieltisch und machen sie erfahrbar. Diese Spiele bilden den Ausgangspunkt der Workshops: Welche Geschichten erzählen sie? Welche Perspektiven fehlen? Und wie lassen sich Regeln, Spielmechaniken oder Gestaltung so verändern, dass neue Erfahrungen und Diskussionen entstehen?
Im Mittelpunkt der Drop-In-Workshop-Serie steht der kreative Umgang mit bestehenden Spielen. Gemeinsam werden Spielregeln verändert, neue Spielmechaniken entwickelt, Spielelemente umgestaltet oder ganz neue Spielideen entworfen. So entstehen spielerische Auseinandersetzungen mit einem Rohstoff, der ökologische, wirtschaftliche, politische und kulturelle Fragen auf besondere Weise miteinander verbindet.
Die Workshop-Reihe umfasst fünf Samstage. Jeder Termin widmet sich einem anderen Aspekt des Themas Zucker und kombiniert gemeinsames Spielen, einen kurzen Input einer Expertin oder eines Experten sowie ein offenes Spiellabor. Die Teilnahme ist kostenfrei und sowohl an einzelnen als auch an allen Terminen möglich.
Termine (jeweils 14–20 Uhr):
Sa. 12.09. – Landwirtschaftsmuseum: Rübenzucker in der Region
Sa. 10.10. – StadtPalais: Zuckergeschichte Stuttgarts
Sa. 24.10. – Projektraum Römerstraße: Spielen mit Süßem und Gemüse
Sa. 21.11. – Projektraum Römerstraße: Zucker-Werwölfe
Sa. 12.12. – Linden-Museum: Zuckerplantagen in der Karibik, anschließend Performance Sugar Rush
Ablauf der Workshops: 14 Uhr Spielen · 16 Uhr Input · 17 Uhr Spiellabor
Weitere Details zur Workshop-Serie:
https://www.akademie-solitude.de/de/event/workshopreihe-games-changer-suesse-felder/
Game(s)Changer 2025
»Play a New Bevölkerung – Wie möchten wir gemeinsam leben?«
Schon mal ein Brett- oder Computerspiel gespielt und gewünscht, es wäre anders? Kooperativ oder mit anderen Zielen des Gewinnens? Mit Möglichkeiten, eine andere Rolle einzunehmen? Oder schon mal überlegt, was ein Spiel spannender machen könnte, oder wie es mehr mit der eigenen Welt zu tun haben könnte? Spiele erzählen viel über die Welt – aber wessen Welt? Wie sähe die Welt aus, wenn wir sie selbst erfinden und darin spielen?
In vier Workshop-Sessions (je ein halbes Wochenende, zwischen Mai und Juli 2025) an der Akademie Schloss Solitude konnten Spielebegeisterte herausfinden, welche Personen hinter der Entwicklung von Spielen stecken. Und zu welchen Themen und Situationen gespielt wird. »Game(s)Changer« bot den Teilnehmenden neben spannenden Impulsen zu kulturellen Hintergründen und Spielemechanismen auch Austausch mit internationalen Künstler*innen an der Akademie Schloss Solitude sowie mit Expert*innen aus der Welt der Spiele. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen wurden die Welt der Spiele und ihre vielfältigen Möglichkeiten und Formate erforscht, ein (Gesellschafts-)Spiel erfunden und am Ende der Sessions gemeinsam präsentiert.
Im Mai und Juli 2025 fanden insgesamt vier Workshop-Sessions an der Akademie Schloss Solitude mit dem Themenschwerpunkt »Play a New Bevölkerung – Wie möchten wir gemeinsam leben?« statt.
Post Theater ist eine freie Theatercompany, die ihre Arbeiten auf der Grundlage künstlerischer Recherche entwickelt. Ausgangspunkt ihrer Produktionen sind gesellschaftlich relevante Fragestellungen, die durch die Auseinandersetzung mit historischen, politischen und kulturellen Zusammenhängen untersucht und in künstlerische Formate übersetzt werden. Charakteristisch für ihre Arbeitsweise ist die Verbindung von Recherche mit kollektiven und partizipativen Entwicklungsprozessen sowie die Bearbeitung und Neukontextualisierung bestehender Materialien. Thematisch setzt sich Post Theater wiederholt mit globalen Wirtschafts- und Handelsstrukturen auseinander und untersucht am Beispiel verschiedener Rohstoffe deren historische und gesellschaftliche Bedeutung. Diese forschende und experimentelle Arbeitsweise bildet auch die Grundlage für die Zusammenarbeit im Projekt Game(s)Changer.