PODIUM Esslingen

Am Anfang war die Idee. Was, wenn klassische Musik nicht nur im Elfenbeinturm stattfindet? Was, wenn wir aufhören, Musik in Genres einzuteilen, in Formate, in Konventionen? Was, wenn ein Konzert nicht mehr nur ein Konzert ist, sondern Kunstformen wir Tanz, Theater, Film und Animation mit der Musik vereint? Was, wenn Musik tatsächlich will, dass Menschen sie immer wieder für sich neu entdecken, neu erfinden? Eine Musik, die alte Gewissheiten neu denken lässt – und keine neuen aufzwingt. Und eine Kulturinstitution, die ihre gesellschaftliche Rolle verantwortungsbewusst gestaltet.

2009 gründeten einige junge Menschen ein kleines, alternatives Kammermusikfestival: PODIUM Esslingen. Binnen weniger Jahre hat es sich unter dem Motto »Musik wie sie will« zu einer vielseitigen Plattform für intelligente Innovationen im Bereich klassischer und zeitgenössischer Musik entwickelt. Jedes Jahr werden beim PODIUM Festival Esslingen visionäre Produktionen präsentiert, die zeigen: So sieht undogmatisches Musikschaffen im 21. Jahrhundert aus.

Seit der Geiger, Konzertmeister und Konzertdramaturg Joosten Ellée Ende 2021 vom Gründer Steven Walter, inzwischen Intendant vom Beethovenfest Bonn, als Künstlerischer Leiter die Verantwortung übernommen hat, richtet PODIUM unter dem Motto »Laut die Zukunft träumen« dabei den klaren Fokus auf die gesellschaftspolitische Verantwortung von Kunst und Kultur. Nicht nur das Theater und die Literatur, auch die Musik ist aus der Sicht von Joosten Ellée politisch und muss sich mit den gesellschaftlichen Herausforderungen auseinandersetzen. Mit dieser Haltung knüpft der Künstlerische Leiter an das große Sonderprojekt seines Vorgängers, das Fellowship-Projekt #bebeethoven, an, das anlässlich des Beethoven-Jubiläums 2020 an den revolutionären Geist Beethovens erinnerte und jungen Künstler*innen die einmalige Gelegenheit bot, daran anknüpfend Neues zu wagen. PODIUM Esslingen als Entwicklungslabor für Experimente und für neue Wege. Hierzu gehören neben der 2023 gestarteten Reihe der MUSIKALISCHEN MAHNMALE Klanginstallationen im öffentlichen Raum, die sich mit verschiedenen Aspekten der Klimakrise – auch aus außereuropäischer Sicht – auseinandersetzen, den Stadtraum als Bühne neu definieren und neue Publika erschließen, auch neue Konzertformate wie die STADTTEILKONZERTE und die WUNSCHKONZERTE und eine Fülle von Uraufführungen, für die in erster Linie junge, aufstrebende, internationale Komponist*innen verpflichtet werden.

Gastspiele im In- und Ausland, Konzertwochenenden an besonderen Orten wie dem Kloster Bebenhausen bei Tübingen und ein engagiertes Education-Programm mit Schulkonzerten und Mini-Konzerten in Kindertageseinrichtungen sind Teil des umfangreichen Jahresprogramms.

2023 wurde PODIUM als eines von sechs Festivals in Deutschland für das von der Kulturstiftung des Bundes initiierte Programm »tuned – Netzwerk für zeitgenössische Klassik« ausgewählt, im Rahmen dessen der Klassikszene mit beispielhaften Projekten neue Impulse gegeben werden. Wie PODIUM diese Aufgabe wahrnimmt, beschreibt die Journalistin Marie König folgendermaßen: »Wie klingt der Regenwald? Welche Macht hat Wasser? Welche Stimmen bleiben ungehört? PODIUM stellt relevante Fragen – und geht sie radikal an. Klangrausch, Experimente, Genregrenzen, die verschwimmen, Horizonte weiten sich, Menschen unterschiedlichster Hintergründe begegnen sich. PODIUM lebt die Offenheit, ist politisch, manchmal unbequem, immer im Dienst echter Schönheit. An besonderen Orten in der Stadt Esslingen baut es seine Bühnen auf – in alten Industriegebäuden, in Kirchen und draußen unter freiem Himmel – aber es zieht auch in die Welt hinaus.«

Künstler*innen aus der Kooperation mit PODIUM Esslingen an der Akademie Schloss Solitude

Yuri Umemoto (Jan–Mai 2026)