Fokusthema: Mutationen

Thematischer Fokus

Interdisziplinäre thematische Residenz 2020–2021
MUTATIONEN

 

Mutationen sind Prozesse mit unvorhersehbaren Folgen: Transformation, Kontrollverlust und Irreversibilität, aber auch Vielfalt, Metamorphose und Hybridität. Es ist diese Unbestimmtheit und der assoziative Reichtum, der Mutationen unheimlich und attraktiv zugleich macht.

In der Biologie und Genetik beziehen sich Mutationen auf eine Veränderung der DNS, den elementaren Code des Lebens. Mutationen treten als Variation und Veränderung auf, als unvorhergesehene Transformation von Material oder Umgebung. Mutationen entstehen an der Schnittstelle genetischer Codes und manifestieren sich in einer Veränderung aller Aspekte des Lebens, in der physischen Beschaffenheit von Lebewesen. Sie beeinflussen unsere ökologische, soziale und politische Umwelt und wirken sich auf die Gestaltung kultureller Räume aus. Mutationen bergen ein enormes Potenzial für radikales Denken und Wandel. Sie widersprechen der bestehenden Ordnung, fordern Hierarchien heraus und läuten vielleicht den Aufbruch in ein neues Zeitalter ein.

Die ökologische Krise und soziale Ungleichheiten stellen alle Gesellschaften von heute vor große strukturelle Herausforderungen. Residenzprogramme dienen als Experimentalräume, in denen die Teilnehmer*innen mutierende Prozesse beobachten, analysieren und hinterfragen. Durch die Linse der Mutationen können wir diese Prozesse von Grund auf neu bewerten und neue Verbindungen knüpfen. Wie können wir in Zeiten eines tiefgreifenden gesellschaftspolitischen und ökologischen Wandels über Mutationen nachdenken? Wie können wir die Vielfalt und Vielfältigkeit, die den Mutationen innewohnt, entfesseln? Was bedeutet »Mutation« im Beziehungsgeflecht von künstlerischer, sozialer und planetarischer Arbeit? In diesem Sinne dient »Mutationen« als Thema, das sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch aus ineinandergreifenden Blickwinkeln untersucht werden kann. Die Gruppe der sieben ausgewählten Fellows wird das Thema über einen Zeitraum von neun Monaten gemeinsam bearbeiten. Durch monatlich stattfindende Labs gestalten sie das interne Programm der Akademie mit und beteiligen sich auch an öffentlichen Veranstaltungen. Während ihres gesamten Aufenthalts werden die Fellows von Mentor*innen begleitet.

»Mutationen« ist eine Kooperation der Akademie Schloss Solitude und der KfW Stiftung zur Förderung des transdisziplinären und transkulturellen Dialogs zwischen Kunst und Wissenschaft. Durch die Einladung von Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Kreativen aus allen Bereichen zu einem zielgerichteten Gruppengespräch innerhalb eines vorgegebenen thematischen Rahmens fördert das 9-monatige Programm die kritische Reflexion und künstlerische Produktion sowie den Austausch über Disziplinen hinweg.

Die KfW Stiftung ist eine unabhängige gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main, die sich mit den Herausforderungen der heutigen Gesellschaft auseinandersetzt. Mit dem Ziel, das Bewusstsein von Menschen zu schärfen, sie zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und Vielfalt in der heutigen globalisierten Welt zu gestalten, hat die KfW Stiftung vier große Tätigkeitsfelder: Umwelt und Klima, soziales Engagement, verantwortungsvolles Unternehmertum sowie Kunst und Kultur. Über das Programm Kunst und Kultur schafft sie verschiedene Plattformen für internationale zeitgenössische Kunst und legt dabei einen Schwerpunkt auf außereuropäische und nichtwestliche Kunst. Die KfW Stiftung initiiert und fördert Projekte wie etwa Residenzprogramme für aufstrebende Künstler*innen und Kurator*innen oder Schreibwerkstätten für junge Autor*innen.

 

Residenzprogramm

Die Dauer des Programms ist Oktober 2020 bis Juni 2021. Die ersten sechs Monate des Stipendiums sind einem intensiven Dialog zwischen den Fellows gewidmet, in dem sie ihre Praxis gemeinsam weiterentwickeln und eine Plattform für den Wissensaustausch schaffen. Im Vordergrund dieser Phase steht der kollaborative Ansatz der künstlerischen Forschung. Die folgenden drei Monate sind dem Entwicklungsprozess eines öffentlichen Abschlussformates gewidmet, in dem die Stipendiat*innen ihre Praxis mit der Öffentlichkeit teilen (Symposium, Ausstellung oder andere Veranstaltung und Publikation).