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Sommerakademie

Internationale Meisterklasse für junge Komponisten


Im zweijährigen Rhythmus veranstaltet die Akademie Schloss Solitude seit 2003 eine Meisterklasse für junge Komponistinnen und Komponisten. Diese Sommerakademie soll eine Lücke innerhalb der Ausbildung junger Komponisten schließen, da Meisterkurse für Komponisten eine Seltenheit in der europäischen Landschaft für Neue Musik sind. Anders als ein langes Kompositionsstudium mit einem Dozenten, bietet diese Meisterklasse für die Teilnehmer ein stimulierendes Umfeld und gibt ihnen die seltene Möglichkeit, sich intensiv untereinander, mit den Dozenten und mit Künstlern anderer Kunstsparten, den Stipendiaten der Akademie, auszutauschen.

Der Austausch zwischen Stipendiaten des regulären Stipendienprogrammes und den Teilnehmern an der internationalen Meisterklasse für junge Komponisten ist ausdrücklich erwünscht.

Die Arbeit und Diskussionen über die Kompositionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie kompositorisches Denken stehen im Mittelpunkt der Sommerakademie, ebenso individueller Unterricht und Gruppenarbeit. Darüber hinaus werden Präsentationen von Künstlern anderer Kunstsparten angeboten. Gegen Ende der Meisterklasse arbeiten die Kursteilnehmer mit dem Freiburger Ensemble SurPlus zusammen. 

Die achte Sommerakademie findet vom 4. bis 21. August 2017 unter der Leitung von Chaya Czernowin mit den Gastdozenten Johannes Schöllhorn und Samir Odeh-Tamimi statt.

Zum Abchluss der Sommerakademie präsentiert das Ensemble SurPlus in zwei Abendkonzerten am 19. und 20. August 2017, jeweils um 19 Uhr, die Kompositionen der Teilnehmer.

Dozenten: Chaya Czernowin, Johannes Schöllhorn und Samir Odeh-Tamimi

Teilnehmer: Murat Çolak, Türkei; Peter Fahey, Irland; Bnaya Halperin-Kaddari, Israel; Jarko Hartikainen, Finnland; Matti Heininen, Finnland; Hunjoo Jung, Südkorea; Mu- Xuan Lin, Taiwan; Fernando Munizaga, Chile; Justina Repečkaitė, Litauen; Benjamin Scheuer, Deutschland; Eiko Tsukamoto, Japan; Anna-Louisa Walton, USA; Nina C Young, USA; Alexandros Spyrou, Griechenland; Zeynep Toraman, Türkei; Vladimir Guicheff Bogacz, Uruguay.


Chaya Czernowin ist als feste Lehrkraft für die Sommerakademie vorgesehen, um der Meisterklasse Beständigkeit in ihrer methodischen und inhaltlichen Ausrichtung zu geben. Stets wechselnde weitere Dozenten sollen die Basis für einen abwechslungsreichen Austausch zwischen den Lehrkräften und den Kursteilnehmern bilden. Für die Meisterklasse 2009 lehrten Mark Andre und Claus-Steffen Mahnkopf als weitere Dozenten. Im Jahr 2011 war Amnon Wolman Gastdozent, für die Sommerakademie 2013 konnte Dániel Péter Biró als Gastdozent gewonnen werden und die Sommerakademie 2015 wurde mit der Unterstützung von Rebecca Saunders und Ming Tsao durchgeführt. 


Biografien der Dozenten:

Chaya Czernowin (*1957 in Israel) wurde in Haifa geboren und wuchs in Israel auf. Sie begann ihre Kompositionsstudien an der Rubin Academy in Tel Aviv, seit ihrem 25. Lebensjahr lebte sie in Deutschland, Japan, den USA und Österreich. Dank ihrer Lehrer Abel Ehrlich, Dieter Schnebel, Brian Ferneyhough und Roger Reynolds sowie verschiedener Stipendien und Preise konnte sie intensiv an der Entwicklung ihrer musikalischen Sprache arbeiten. Czernowins Kompositionen wurden auf über 60 Festivals in aller Welt aufgeführt, unter anderem beim 20th Century Music Festival in Mexiko, bei Wien Modern, dem Asia Pacific Triennial in Australien und in Huddersfield. Dank ihrer genauen Kenntnisse der experimentellen zeitgenössischen Musik wurde sie selbst zu einer gefragten Pädagogin. Sie unterrichtete 1993/1994 Komposition am Yoshiro Irino Institut in Tokyo und zwischen 1990 und 1998 bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt. In den Jahren 1997 bis 2006 wirkte sie als Professorin für Komposition an der University of California San Diego. Von 2006 bis 2009 lehrte sie an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst. Als Gastprofessorin erhielt sie Einladungen nach Göteborg und Seoul. Seit 2003 leitet sie die Internationale Sommerakademie für junge Komponisten an der Akademie Schloss Solitude. 2009 nahm sie einen Ruf an die Universität von Harvard an.

Zusätzlich zu Kammermusik und Orchester-Arbeiten schrieb Czernowin zwei Opern: Pnima...ins Innere für die Münchener Biennale (2000) und Adama, eine Kontrapunkt-Arbeit über Mozarts Zaide für die Salzburger Festspiele. Pnima wurde von der Zeitschrift Opernwelt als »Beste Uraufführung des Jahres« ausgezeichnet (2000) und gewann den Bayerischen Theaterpreis. Zaide/Adama wurde von der ARD gezeigt und von der Deutschen Grammophon aufgenommen. Beide Opern wurden vielfach aufgeführt.



Chaya Czernowin erhielt unter anderem mehrere America Israel Fellowships (1979–1982) und repräsentierte Israel am Unesco Composer’s Rostrum (1981); zu ihren Auszeichnungen zählen des Weiteren: DAAD-Stipendien (1983–1985); UCSD Fellowships (1987–1993); Stipendiumpreis (1988); Kranichsteiner Musikpreis (1992); Asahi Shimnun und American NEA Fellowships (1994/1995); Stipendium der Akademie Schloss Solitude (1996); IRCAM Reading Panel Commission (1998); Stipendien des SWR Experimentalstudios Freiburg (1998/2000/2001); ISCM World Music Day Pieces (1995/2001); Komponisten-Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung (2003); Rockefeller Foundation (2004); Nominierung als Stipendiatin des Wissenschaftskollegs Berlin (2008); Fromm Foundation Award (2009); Guggenheim Foundation Fellowship (2011). Ihre Werke werden von Schott verlegt. Ihre Musik wird von Mode Records, Wergo, Col Legno, Deutsche Grammophon, Neos, Ethos und Einstein Records veröffentlicht.


Johannes Schöllhorn (*1962 in Murnau) studierte in Freiburg bei Klaus Huber, Emanuel Nunes und Mathias Spahlinger Komposition, Musiktheorie bei Peter Förtig und besuchte Dirigierkurse bei Peter Eötvös. 

Er arbeitet mit zahlreichen internationalen Solisten, Ensembles, unter anderen dem Ensemble Modern, Ensemble Intercontemporain, Remix Ensemble, Ensemble l’instant donné, Ensemble Musikfabrik, dem Klangforum Wien, Ensemble Musikfabrik, ensemble recherche, den Neuen Vocalsolisten, ensemble ascolta, dem Neuen Ensemble, den Symphonieorchestern des WDR und SWR Stuttgart, dem DSO Berlin, dem Seoul Philharmonic Orchestra, dem BBC Scottish Symphony Orchestra und dem Philharmonia Orchestra London zusammen. Johannes Schöllhorn erhielt einige internationale Kompositionspreise und Auszeichnungen, im Jahre 1997 war er Gewinner des Comitée de Lecture des Ensemble Intercontemporain und erhielt 2009 den Praetorius Musikpreis des Landes Niedersachsen. Seine Kammeroper les petites filles modèles wurde oftmals in Paris und an verschiedenen Orten Frankreichs gespielt und hatte 1997 an der Opera de Bastille Premiere. 2008 war er im Rahmen des into-Projekts in Hongkong. Seine Musik umfasst viele Genres von Kammer- und Vokalmusik über Werke für Orchester bis hin zum Musiktheater. Er beschäftigt sich ebenfalls auf vielfältige Weise mit musikalischer Bearbeitung, unter anderem hat er eine Version von ...explosante-fixe... von Pierre Boulez erarbeitet.

Johannes Schöllhorn war bis 2004 Leiter des Ensembles für Neue Musik an der Musikhochschule Freiburg und unterrichtete von 1995–2000 an der Hochschule für Musik und Theater Zürich-Winterthur. Von 2001 bis 2009 war er Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Hannover und Leiter des Instituts für Neue Musik. Seit Oktober 2009 ist er Professor für Komposition und Leiter des Instituts für Neue Musik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Johannes Schöllhorn unterrichtete mehrmals am Kompositionsseminar der Fondation Royaumont (Frankreich) sowie dem Bartók-Festival (Ungarn) und gab unter anderem Kompositionskurse beim Ictus-Seminar (Belgien), am Conservatoire de Paris, am Conservatory of Music in Tianjin (China), am Central Conservatory in Beijing (China), in Hongkong, beim Takefu-Festival (Japan), an der Tokyo Ondai University (Japan), beim Seoul Philharmonic Orchestra (Korea), am Centro San Fedele Milano (Italien), bei Ticino Musica (Schweiz), am Trinity Laban Conservatoire in London (Großbritannien), in Kiew (Ukraine) Jakarta (Indonesien) und Manila (Philippinen).

 

Samir Odeh-Tamimi hat eine ganz eigene Musiksprache entwickelt, die in seiner Auseinandersetzung mit westeuropäischer Avantgarde und arabischer Musikpraxis verankert ist. Begeistert von sowohl der europäischen Klassik als auch der Ästhetik der Neuen Musik kam der palästinensisch-israelische Komponist im Alter von 22 Jahren nach Deutschland und studierte Musikwissenschaft und Komposition. Neben der Beschäftigung mit kompositorischen Vorbildern wie Giacinto Scelsi und Iannis Xenakis fand er in dieser Zeit auch zu einer Auseinandersetzung mit der Musikkultur seines Herkunftslandes zurück.

Inzwischen sind Samir Odeh-Tamimis Kompositionen bei renommierten Festivals zu hören, und er erhielt Kompositionsaufträge unter anderem vom Deutschlandfunk, dem Saarländischen Rundfunk, den Donaueschinger Musiktagen, dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau, dem WDR und dem Bayerischen Rundfunk/musica viva. 2010 wurde sein Musiktheaterwerk Leila und Madschnun bei der Ruhrtriennale in Bochum uraufgeführt. Im Rahmen des vom Ensemble Modern und dem Siemens Arts Program in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut initiierten Projektes into Istanbul komponierte er 2008 ein von einem Aufenthalt in der türkischen Millionenstadt inspiriertes Werk für das Ensemble Modern. Auch mit dem Boulanger Trio sowie mit den Neuen Vocalsolisten Stuttgart verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit: So besuchten die Sänger im Rahmen einer Auftragskomposition für das Eclat-Festival Samir Odeh-Tamimis Elternhaus bei Tel Aviv und lernten dort die musikalischen Wurzeln des Komponisten kennen.

Sein Oratorium Hinter der Mauer, ein Kompositionsauftrag des RIAS Kammerchores anlässlich des 20. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung, kam im Berliner Radialsystem zur Uraufführung und war anschließend in Jerusalem und Dresden zu hören. Mansúr, das gefeierte Auftragswerk der Salzburger Festspiele 2014, uraufgeführt vom Chor und Mitgliedern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, setzt sich mit dem Sufi-Mystiker und Revolutionär Mansur Al-Hallağ auseinander. 2016 entstanden Alif, ein bei der Berliner MaerzMusik uraufgeführtes musiktheatralisches Gemeinschaftswerk mit dem DJ und elektronischen Musiker Stefan Goldmann, sowie L’ Apokalypse Arabe I. Das vom Klarafestival in Auftrag gegebene Werk, konzipiert als zeitgenössisches Element für eine Neufassung der Johannes-Passion von Bach mit Multimedia-Elementen des Regisseurs Pierre Audi, basiert auf Texten der libanesischen Dichterin Etel Adnan.

Zu Beginn der Saison 2016/2017 wird der Chor des WDR beim Essener Festival NOW! Samir Odeh-Tamimis neues Werk Ramádi für Chor und zwei Schlagzeuger uraufführen. Außerdem beauftragte ihn die Schola Heidelberg mit einem Ensemblestück, das im Oktober 2016 aus der Taufe gehoben wird. Derzeit arbeitet Samir Odeh-Tamimi u. a. an einer großen Komposition mit Elektronik und Sprechern für das neue SWR-Orchester, sowie an einem Violakonzert für das Stuttgarter Kammerorchester.

Samir Odeh-Tamimi ist seit 2016 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und erhielt im gleichen Jahr den Musikautorenpreis der GEMA.


Projektkoordination: Marieanne Roth, summeracademy2017@akademie-solitude.de

Akademie Schloss Solitude
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